Zum „Machen“ von Unifizierten Weltbildern

– Eine Systemanalyse für die Wissenstechnik –

von X. Webermeister

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– Entwurf aus der Website zum »Unterfangen Weltpuzzle«® -- http://kognik.de

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Stand:               Versions-Nummer = 0,85** --- {fortgeschrittener Entwurf}

Vgl. aus der lokalen kognitiven Nachbarschaft: \Das »Unterfangen Weltpuzzle« – als GANZES; \zum „Machen“ von Theorien; \Der – unifizierungsmächtige – ‚Wissensträgertyp‘: »Abstraktionskegel«; \zum „Fadenkreuz“-Szenario der »Kognik«; \Die ‚Palette der Zoomphänomene‘ – im »Kognitiven Raum« + \Die – generelle – ‚Überzoombarkeit der Weltausschnitte + ihrer Dinge‘; \‚orthogonal zueinander sein‘ – ein abbildungsseitiges Merkmal; \Fallstrick: „Absolutheitsbehauptung“; \...

        {Ein Index der ‚Grafiken’ und ‚Boxen’ zu diesem Essay findet sich in einer gesonderten Datei}

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Zusammenfassung

Unseren kognitiven Abbildern der Welt und den gängigen Optionen zur Klassifizierung von Wissen fehlt bisher noch einiges an Konformität mit der Realität, dem »Original WELT« selbst, von dem ja alles an Vorstellungen nur „abgemalt“ wird. Anhand eines besonderen Typs von ‚Wissensträger’, dem »Abstraktionskegel«, können Inhalte von Wissensgebieten, auch wenn sie auf den ersten Blick hochkomplex und zusammenhanglos scheinen, in einer originalgetreuen Spiegelung der Welt ‚unifiziert‘ werden. Eingangs wird das Paradigma dieses ‚explikationsmächtigen‘ Wissensträgertyps schrittweise am Paradefall der geo-visuellen Weltbilder der Menschheit entwickelt. In einem weiteren Beispiel wird dasselbe Paradigma versuchsweise auf den so andersartigen, aber ebenso heterogenen Weltausschnitt des »Kognitiven Prozesses« angesetzt. Ein allgemeingültiger Satz an »Freiheitsgraden der Bewegung und des Handelns im Kognitiven Raum«, zusammen mit den besonderen Gesetzmäßigkeiten dieses außerordentlichen Wissensträgertyps, könnte der Menschheit einmal dazu dienen, sich so etwas wie einen »Universal-Atlas der Wissbarkeiten« zu erarbeiten.

{Als faszinierendes Gedankenspiel zunächst, aber auch – kompromissbeladener – als operationales Werkzeug für die Praxis der Suche nach Wissen, des Verständnisses der wahren Zusammenhänge, der Förderung von Inspiration und der allfälligen Kontrolle auf ‚Denkfehler’.}

Schlüsselwörter: Weltbild; Sichtbarkeit; Wissbarkeit; Phänomen; Unifikation; Explikation; Referenzmodell; Paradigma; Abstraktionskegel; Kognitiver Prozess; Kognitiver Freiheitsgrad; Kognitiver Raum; Zoom-Operator; Laterales Denken; Kognitiver Universalatlas; Methodik --- vergleiche: \Das »Glossar zur Kognik«

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1.  Unifizierung des Wissens

Mich beschäftigt hier ein uraltes Rätsel der Menschheit: Die Welt steckt offensichtlich voller »Gegebenheiten«. Als Denkobjekte sind diese Gegebenheiten ihrer Art nach höchst unterschiedlich und der Menge und den Zusammenhängen nach extrem komplex. Dennoch besteht seit Urzeiten der Verdacht, dass „Alles irgendwie mit Allem zusammenhängt“ (Parmenides). Das führt – als Herausforderung – zu der zulässigen Frage: „Gibt es eine gemeinsame Beschreibungsweise, die am Ende Alles, was über die WELT überhaupt wissbar ist, unifiziert?“

Wenn ein solches Paradigma existiert, wie müsste es (mindestens) aussehen? Und auf welche Weise sollten wir daher unsere – bisher immer noch weitgehend isolierten – Wissensgebiete am besten reorganisieren?

Das folgende Essay und Plädoyer bringt Zwischenergebnisse einer umfassenden Systemanalyse in dieses Rätsel: Argumente für seine grundsätzli­che Lösbarkeit und erste Einblicke in eine unerwartete Methodik. Dieser Studien- und Lösungsansatz wird an­hand zweier höchst unterschiedlicher Wissensgebiete verdeutlicht, beide – ohne mein Zutun – als ‚Weltausschnitte’ gigantisch in der Ausdehnung und vielseitig im Inhalt. Beide hier jedoch nur per Siebenmeilenstiefel durchschritten.

{Weitere Beispiele für die universelle Anwendbarkeit dieses Paradigmas werden in späteren Lieferungen folgen.}

2.  Realität und Abbild

Viele Philosophen und Wissenschaftler haben es als unumgängliche Gewissheit schon betont:

All unsere Kenntnis von der Welt, jede Vorstellung, egal ob Ausschnitt bzw. Modell im Großen oder im Kleinen, alles ist nur Abbild. „Wissen“ ist eine seltsame Art von Spiegelung der Wirklichkeit. Die Gegebenheiten dazu befinden sich draußen, in einer externen Realität. Diese externe Realität kognitiv zu fassen, gelingt uns nur auf indirekten Wegen. In gewissem Sinne erfinden sich Tier und Mensch ihre eigene Welt. Damit erst können sie das tatsächliche Original wenigstens teilweise erkennen und es so für ihren Lebensalltag in den Griff bekommen und es – als denkender Mensch zumindest – sogar in den konstituierenden Details studieren oder nach Belieben mit ihm herum spielen.[1] 

Im Folgenden werde ich bei der Wiedergabe von Wissen über die Wirklichkeit eine besondere Trägerstruktur verwenden, die ich »Abstraktionskegel« nenne. Deren außerordentliche paradigmatische Mächtigkeit beim Zusammenführen heterogener Wissenselemente zu verdeutlichen, ist mein eigentliches Anliegen.

Abbildung 1: Die Palette an ‚Wissensträgertypen‘

In Abbildung 1 [2] wird unten mit dem ovalen Gebilde „Die Wirklichkeit“ angedeutet. Sie ist das Eigentliche, das externe Original, das wir uns im Geist mal als Ganzes, meist aber in wechselnden Ausschnitten und Perspektiven darzustellen bemühen. Unter „Wirklichkeit“ verstehe ich dabei vom Umfang her die komplette „Vereini­gungsmenge dessen, was irgend zur WELT wissbar ist“.

Unter einem gemeinsamen Hut, dem oberhalb des Ovals separat eingezeichneten kegelförmigen Gebilde, im ‚Abbildungsseitigen’ dazu, sollen später einmal alle Teilerkenntnisse und alle irgend ausdenkbaren Modelle, Abstraktionen, Diskursräume und Einzelbehauptungen stehen und dort zu einem einzigen, gemeinsamen, originalgetreuen, wohl-strukturierten Transformationsprodukt konvergieren. Zur bestmöglich in sich zusammenhängenden ‚Spiegelung’ dieser ‚Äußeren Welt’.

Außen um diesen Kegel herum sind Symbole für die unterschiedlichen ‚Typen von Wissensträgern‘ eingezeichnet, in denen uns das dafür einzuordnende Wissensmaterial üblicherweise begegnet. [3]

Als sehende Menschen hat uns die Alltagserfahrung mit den »Sichtbarkeiten der Welt« beigebracht, dass jedes Objekt, egal ob groß oder klein, ob isoliert oder mit anderen zusammenhängend, auf vielerlei Art und Weise abgebildet werden kann. So gibt es in der Welt weit mehr an Perspektiven auf Objekte, als es Objekte selbst gibt.

Das Machen von Weltbildern aber ist noch komplizierter. Wir müssen dabei – jeweils als freie Variable – zwischen mindestens vier Systemkomponenten unterscheiden:

1.      Die ‚Weltausschnitte’ bzw. die eventuellen ‚Objekte’ darin, die wir kognitiv gerade anpeilen

2.      Die ‚Perspektiven’, die wir zu deren Betrachtung gerade „kameramäßig“ einstellen (wollen)

3.      Die ‚Trägermedien’, die wir zum Aufzeichnen der entsprechenden Bilder benutzen

4.      Das ‚Aussehen’ der dabei entstehenden Bilder und deren spezifische ‚Verfälschbarkeit’.

Das Arbeitsmaterial zur Erzeugung von Weltbildern stammt aus höchst gegensätzlichen Quellen, kommt in wechselnden Formen daher und trägt die überraschendsten Merkmale: Alt-Überliefertes neben brandheißer Erkennt­nis, vage Vorstellungen neben „exakten“ methodisch ausgefeilten erklärungsträchtigen Modellen, von Instinkten geprägte Ahnungen neben souverän Ausgearbeitetem, feine Details neben groben Abstraktionen, obskure Hypo­thesen neben verlässlichen Schlussfolgerungen, Schätzungen neben punktgenauen Messungen, Fehlinterpretationen neben nachweislichen Tatsachen, Mutmaßungen neben reinem Wunschdenken. Außerdem manch mehr oder weniger konkret spezifizierte Einsicht in die bei uns selbst noch bestehenden Wissenslücken – und anderes mehr. All diese Bausteine mit ihren vergleichsweise breit streuenden Anwendungs- und Geltungsbereichen wollen – mitsamt den entsprechenden Fragen – „korrekt“ miteinander verzapft und unter einem einzigen gemeinsamen Dach solange transformiert und umarrangiert werden, bis – so lautet die Vision – dort Alles wie ein gelöstes Puzzle stimmig zusammenpasst. – (vgl. nochmals die Abbildung 1) [4]

Wenn das überhaupt erreichbar wäre bzw. jemals erreicht würde, stünde uns als ‚Referenzideal’ ein vollständiges Abbild der Welt zur Verfügung: Eine Art gemeinsamer Wissensbasis, die Alles und Jedes über diese Welt schon irgend Gewusste oder auch nur Behauptete fertig zum Abruf bereit hielte – und zwar jeweils an einer festen naturgegebenen Position im dafür zu verwendenden gemeinsamen Diskursraum. Für Alles nicht oder noch nicht Gewusste wäre an ebenfalls zweifelsfreier Position zumindest schon ein „Weißer Fleck“ vorgehalten – als Platzhalter für das dortige, uns bislang noch Unbekannte: Insgesamt also so etwas wie ein "Universalatlas der Wissbarkeiten". [5] [6]  [7]

Auf Anhieb scheint eine derart gigantische Unifizierung aussichtslos zu sein.

Die qualitativ besten „Bilder“, die sich der Mensch bis dato von der WELT hat schaffen können, kommen, an diesen Forderungen gemessen, nicht einmal an einen Flickenteppich heran. Selbst wenn viele der Wissbarkeiten, um die es geht, schon seit uralten Zeiten so existieren und alle sogar aus ein und derselben immer gleichen Quelle stammen – der einen und einzigen realen WELT – materialisiert sich dasjenige, was wir in menschliches Wissen umsetzen, nur Fleckchen für Fleck. Jedes Puzzlesteinchen und jede „fertige“ Wissensscholle bleibt dabei an den Rändern weiterhin „ausgefranzt“. Das Bild des Ganzen, das bisher herauskam, ist von Eindeutigkeit noch weit entfernt. In vielen Aspekten irritiert dies sogar uns selbst. Widersprüchliche Interpretationen ein und derselben WELT boten der Menschheit schon immer Anlass für so manchen Konflikt.

Dabei ist dieses „Fleckerlbild“ noch reichlich unübersichtlich: Wenig effizient für das Lernleben des Individuums; oft kaum hilfreich beim Umgang mit den großen und kleinen, häufig komplexen Fragen der Welt, sei es in Wissenschaft, Technik, Alltag, Rätsel oder Spiel. Ziemlich ungeschickt als Input für den „Denkprozess an sich“ also.

Zusammenfassung zu diesem ersten Teil:

Auf den ersten Blick scheint das offensichtlich gigantische »Unterfangen Weltpuzzle« aussichtslos zu sein. In der Kulturgeschichte der Menschheit sind – Hybris oder nicht – nachweislich schon viele daran gescheitert.

Doch ein gewisses Maß an „Gewusst wie“ und „Anders als bislang gedacht“
gehört sicherlich mit zu seiner LÖSUNG.

-------------------------------- Hier:  Sollbruchstelle Nr. 1 – bei einer Veröffentlichung als "Fortsetzungsroman"-------------------------------
----- Ende der Introduktion in dieser Art von „Symphonie“ ----

3.  Der Abstraktionskegel für den Bereich des „Visuell Erfassbaren“  –  als Paradefall

Trotz solch verständlicher Zweifel und vieler auf den ersten Blick plausibler Einwände können wir diesbezüglich schon auf einen großartigen Unifizie­rungserfolg verweisen. In einem ganz bestimmten Wissensbereich sind all unsere Vorstellungen zur Welt im Grunde genommen längst im obigen Sinne unifiziert und somit mittlerweile allseitig kon­sistent und übersichtlich. Ich spreche von einem bestimmten Aspekt der gegenständlichen Welt: Die Art und Weise, wie wir uns heute Dinge vorstellen, die visuell erfasst werden können. Die unterschiedlichen Wege, die wir einschlagen, um die entsprechenden Teilkenntnisse zusammenzuführen und sie in ein einziges gemeinsames Denkschema einzuordnen, lassen sich kaum noch weiter ver­bessern. Für diesen speziellen ‚Weltausschnitt’ sind die obigen Maximen längst erfüllt. Und es ist – aus gutem Grunde – gerade der »Wissensträgertyp Abstraktionskegel«, der uns als Denkschema diese Perfektion verschafft hat.

Ich möchte das (für viele Leser neuartige) Konzept des »Abstraktionskegels« zunächst an diesem vergleichsweise einfachen Paradefall ableiten. Später werde ich es dann – als ersten Beleg für seine gebietsunabhängige Einsetzbarkeit – auf einen krass andersartigen und weitaus schwieriger zu erkundenden Wissensbereich übertragen, auf den des »Kognitiven Prozesses« und damit auf das ‚Denken an sich’ in all seinen Variationen.

Noch später – aber nicht mehr in diesem Essay – werde ich das Paradigma als ein generelles methodisches Konzept vorstellen, das ähnlich formal wie eine Mathematik bei jedwedem Weltausschnitt und in beliebigen Anwendungsgebieten gleichermaßen – mit immer denselben Gesetzmäßigkeiten und strikten Vorgehensregeln – einsetzbar ist. Ein Paradigma, das uns irgendwann einmal zur endgültigen Lösung des »LÖSUNG des Puzzles WELT« verhelfen kann. [8]

3.1.  Zoomen im Raum der Sichtbarkeiten

Stellen Sie sich vor, wir würden, hier vom Fleck weg, mit einem Raumschiff ins All starten. Während der ganzen Reise (↑) beobachten wir, was so alles gerade hinter uns zurückbleibt. (Abbildung 2)

Abbildung 2: Abfolge der Ansichten im ‚Guckloch‘

Der Inhalt des Blickfeldes ändert sich ständig – ohne Zutun unsererseits: Anfangs vielleicht nur dieser Stift, kurz danach der ganze Hörsaal, bald die ganze Stadt in all ihrer Komplexität. Und jedes Ding jeweils inmitten seiner eigenen natürlichen Umgebung. Schon erscheint das Heimatland als Ganzes. Und wird ebenfalls zurückgelassen.

Wenig später umschließt unser gucklochartiges Blickfeld den ganzen Kontinent und irgendwann den gesamten Planeten Erde (Abbildung 3). Mit dieser Art von Zoomfahrt könnten wir fortfahren, weit über unsere Milchstraße hinaus, bis hin zu den (mutmaßlich endlichen) Grenzen unseres 13,8 Milliarden Jahre alten Universums. Und umge­kehrt, könnten wir uns Dinge wie diesen Stift – oder was auch immer – auch ganz aus der Nähe anschauen, durch die Lupe, durchs Mikroskop und immer weiter bis hinunter in die Sphären der Moleküle, Atome und Quarks. [9]

Abbildung 3: Zwei unter den unendlich vielen, prinzipiell so anlegbaren ‚Weltausschnitten‘

Innerhalb dieses Szenarios ändert sich auf Seiten des Beobachtungsapparats während dieser gigantischen Zoomfahrt nicht das Geringste: Das eigene Auge funktioniert – trotz aller ihm „dargebotenen Wunder“ – ganz normal. Das Sichtfenster (fototechnisch: "Der Sucher") ändert sich während all der Zoomerei in seiner Größe und Leistungsfähigkeit kein bisschen --- ganz im Gegensatz zu den in ihm als Passepartout nacheinander aufscheinenden „Inhalten“, den ‚Weltausschnitten’, den darin zur Ansicht kommenden ‚Wissenslandschaften’, ‚Objekten’ oder ‚Systemen’.

Dieses Szenario gibt jedoch – zu jedem Zeitpunkt – immer nur einen einzigen Ausschnitt auf die Welt frei. Trotzdem erscheinen unterwegs massenhaft weitere ‚Objekte’ im Blickfeld, und jedes von ihnen schleppt seine eigenen ‚Wissbarkeiten’ mit sich. Der Diskursraum des Ganzen, das Zoomszenario selbst, deckt natürlich außer den wenigen von mir wie zufällig genannten Ankerpunkten aus der Materiellen Welt (Stift, Hörsaal, Stadt, Kontinent, ...) irgendwann auch all die anderen sichtbaren Dinge auf der Erde ab und am Ende selbst diejenigen des fernen, noch nie aus der Nähe gesehenen Kosmos und diejenigen des gesamten Mikrokosmos. Und zwar ausnahmslos und alle in der originalseitigen Komplexität ihres eigenen Mit- und Nebeneinanders. In dem seiner Größe nach immer gleich bleibendem ‚Guckloch‘ werden beim Hochzoomen die gerade sichtbaren ‚Weltausschnitte‘ nur immer größer – und die darin erfassten ‚Objekte’ scheinbar ständig kleiner. Umgekehrt ist es beim Zoomen nach unten. (Abbildung 4 – linker Teil)

Abbildung 4: Verschiedene Darstellungsweisen zu ein und demselben Ganzen

Zu jedem von uns visuell gerade angesteuerten ‚Ding’ gibt es immer gleich eine ganze Nachbarschaft drum herum. Bilder stecken nun einmal voll mit ‚Sichtbarkeiten’ (und zusätzlich voll mit ‚Wissbarkeiten’). Jeder Blick- oder Ankerpunkt, jede Attraktion, jedes Wahrzeichen, von dem wir uns gerade entfernen, liegt erkennbar in einer ganz bestimmten Umgebung aus anderen Dingen. Jeder ‚Weltausschnitt’ und jedes spezifische „Objekt“ kann somit – auch – als eine Serie geschachtelter Kontexte betrachtet werden. (Abbildung 4 – rechter Teil). In ihrem jeweiligen ‚Abstraktionsgrad’ sind diese Kontexte getrennt ansteuerbar – allein schon über die reichlich mechanische Operation des Zoomens. Jedoch sind die jeweils aufscheinenden Inhalte im ‚Guckloch‘ ohne weiteres austauschbar – allein über die Operation des Herumschwenkens des eigenen Gesichtsfeldes.

3.2.  Der unifizierende »Wissensträgertyp Abstraktionskegel« – visualisiert

Lassen Sie uns nun den zweiten Teil dieses (gedanklichen) Videos erweitern. Stellen wir uns, in Umkehrung der ursprünglichen Zoomrichtung, die Erde als eine Abfolge von Fotos aus dem All vor:
Alle paar Sekunden eine zusätzliche Aufnahme, jede noch stärker die Details auflösend als die vorhergehende. Also alle in ihrem eigenen ‚Maßstab’.

Nehmen wir gleichzeitig eine „leichte“ Änderung am Szenario vor: Das gemeinte Objekt soll diesmal immer nur als Ganzes abgebildet werden. Das Gesichtsfeld, wenn wir uns der Erde nähern, soll jetzt ständig den gesamten Erdball umrahmen; das zuvor in Größe und Kapazität starre ‚Guckloch‘ passt sich also in seinen Ausmaßen dem scheinbar größer werdenden Objekt stets an.

Die Erde wird dabei – im Gegensatz zu dem hier im Hörsaal bzw. im Park der Videoversion startenden lokalen Szenario – immerzu komplett bis in all ihre Ecken hinein abgebildet. Jetzt zeigen sich unterwegs auch all die anderen bleistiftgroßen Objekte, all die anderen Gebäude, Länder und Kontinente. Und statt nur dem einen ganz genau studierten Kohlenstoffatom auch jedes andere Atom auf Erden – egal ob von derselben Ordnungszahl oder irgendeiner anderen. (Abbildung 5)

Abbildung 5: Eine Zoomspur in der Seitenansicht

Anfangs reicht für eine derart komplette Wiedergabe des Erdballs eine Aufnahme in Briefmarkengröße oder im Handflächenformat aus. Kurz danach braucht dasselbe ‚Objekt Erde’ Fotopapier hundertmal so groß. Noch näher herangezoomt, wird sein Abbild bald Quadratkilometer groß. Noch später – jenseits des Maßstabes 1 : 1 – würde selbst die an sich doch so riesige Erdoberfläche schon nicht mehr ausreichen, um darauf ihr eigenes Abbild unterzubringen. Von der Auflösung im mikroskopischen und atomaren Maßstab ganz zu schweigen, für die irgendwann selbst die gigantischste Galaxie nicht mehr genügend Platz bieten würde. (Abbildung 6)

 

Abbildung 6: Der Weltausschnitt + sein ‚Abstraktionskegel‘

Würden wir andererseits diese Bilder in für uns handhabbare Ausschnitte zerstückeln, so stiege die Anzahl der „Einzelbilder pro Schicht“ – auch die Anzahl der Seiten für einen wahrhaftigen „Universalatlas der Erde“ – mit jeder neuen Schicht quadratisch an. Ebenso passiert das mit der Anzahl der Bytes, die wir im Computer zur Speicherung all der Bilder – in für alle gleich guter Bildschirmauflösung – bräuchten. [10] [11]

Würden wir, stattdessen, die noch unzerschnittenen Gesamtaufnahmen ihrer abnehmenden Größe nach übereinander legen oder eine Serie von auf Pappe aufgezogenen Weltkarten entsprechenden Formats zu einem einzigen Stapel vereinigen, so käme als Ergebnis dieser Schichtung – zwangsläufig – eine ganz bestimmte Gestalt heraus: Eine eindeutige, höchst charakteristische äußere Form für dieses – jetzt offensichtlich rein abbildungsseitige – „Ganze“. Ein ‚Wissensträgertyp’, der seinem Erzeugungsmechanismus nach die Bezeichnung »Abstraktionskegel« wohl verdient! (vgl. Abbildung 7)[12]

Abbildung 7: Abstraktionskegel samt ‚Überzoomungsbereich‘

*****

(Fußnote: Neben dem „Stapelungs“-Szenario hier vorab noch eine weitere Form der Ableitbarkeit des »Wissensträgertyps Abstraktionskegel«: Stellen Sie sich lauter Lichtleiter der Dicke Null vor. Von einer einzelnen ‚Sichtbarkeit‘ – als Quelle – aus führt eine einzelne Faser als „Draht“ zur momentanen Position des ‚Beobachter’ und übermittelt diesem diese (oft fernab von ihm liegende) Sichtbarkeit als ‚wissbares’ Signal. Jetzt erweitere man das Szenario „raumgreifend“ auf ganze Faserbündel: Zunächst für alle Sichtbarkeiten eines bestimmten ‚Weltausschnitts‘ einzeln (etwa zu irgendeinem „Objekt“ oder einem bestimmten ‚Teil’ einer in Gedanken heraus gestanzten Landschaft), dann – ‚raumgreifend weiter‘ wie oben – für jede einzelne Sichtbarkeit der ganzen WELT. Jedes Mal ziehe man individuelle Verbindungsfasern. Unmengen von Fasern also – und alle treffen sie in einem einzigen Punkt zusammen: dem momentanen Standort des Beobachters im klassischen Raum. Zusätzlich dann noch dasselbe für jede der zum selben ‚Weltausschnitt‘ sonst noch anlegbaren ‚Perspektive’. Auch dann treffen alle Fasern im selben Punkt (des noch immer klassischen Raums) zusammen.

Und – jetzt wird es zwar einsehbar, aber wiederum nicht mehr bis zur Gänze vorstellbar –, da der Beobachter wie im ZehnHoch-Szenario ja unterschiedliche Positionen im Spielraum zwischen „konkret aus der Nähe“ bzw. „abstrakt aus weitester Ferne“ einnehmen kann bzw. weil sich am Zoom-Ring seiner Kamera entsprechend herumspielen lässt (bei den Sichtbarkeiten ist das über mehr als 40 Zehnerpotenzen der Detailauflösung hinweg sinnvoll!), vervielfacht sich die Anzahl der Fasern weiter. Trotzdem: All diese ‚Wissbarkeiten‘, ‚Sichtweisen’ und ‚Relativitäten’ entstammen quellseits einer einzigen ‚originalseitigen’ Wirklichkeit. Bei deren höchster Abstraktion stoßen die Fasern also wiederum in einem einzigen (noch mehr Sichtbarkeiten unifizierenden) Punkt zusammen. Dieser Punkt aber liegt sicher nicht mehr im klassischen Raum. Denn unter den vier seinen Diskursraum aufspannenden Achsen (Einsteins ‚Raumzeit’) kommt die »Zoomachse« – als die entscheidende Dimension und Variable dieses Szenarios – ja gar nicht erst vor.

Das insgesamt entstehende Gebilde hat offensichtlich wiederum die Gestalt des ‚Abstraktionskegels’ – mit denselben Eigenschaften und derselben Palette an Optionen zum Umgang damit. Im Gegensatz zu den geradlinig im Auge ankommenden Photonen des Landkartenszenarios kann hier das einzelne Signal sogar um die Ecke verlaufen; unterwegs kann es ohne Weiteres irgendwo in irgendwelchen Schleifen lose herumliegen und in der Gegend herum geschmissen werden und dabei, mal in zufälligem Durcheinander, mal in gewollten Verknotungen, zueinander in ‚Nachbarschaftsbeziehungen’ geraten, die ‚originalseits‘ so gar nicht begründet sind.

Wenn man unterwegs – an zufälliger Stelle – ein Teilbündel quer durchschneidet und die bloßgelegten Enden direkt an einen Bildschirm anschließen würde, so ergäbe sich im entsprechenden Pixelbild kaum jemals etwas, was für uns irgendwie interpretierbar wäre, geschweige denn etwas, das – wie gewünscht – als Abbild eines einzigen Allem gemeinsamen Originals zu erkennen wäre. Hinsichtlich der jeweiligen Anfänge und der Enden der Fasern jedoch bliebe es selbst dann noch bei der sowohl für das Ganze als auch seine ‚Ausschnitte‘ so natürlichen Kegelgestalt.)

– [\Das – originalseits so unabänderlich – angetroffene Merkmal: »Einsheit in Vielheit der WELT«; \Beliebige ‚Kegelschnitte im Abstraktionskegel’; \Der ‚Weltausschnitt’ – als solcher; \„Selbstähnlichkeit“ im »Kognitiven Raum«; \Das „Lichtleiter“-Szenario der »Kognik«; \...]

--------------------------------- Hier: Sollbruchstelle Nr. 2 bei einer Veröffentlichung  in Teillieferungen --------------------------------

3.3  Der "Abstraktionskegel alles Sichtbaren" – Erweiterung der Systemanalyse

Dieselbe Operation des „Stapelns zoommäßig zueinander komplementärer Abbildungen“ ließe sich aber genauso gut überall sonstwo in der WELT veranstalten. Der Planet Erde ist da in keinerlei Weise ausgezeichnet. Bei jedwedem ‚Weltausschnitt‘, egal ob mit einem so interessanten Gegenstand zum Inhalt wie diesem „Bleistift“ oder dem „Blauen Planeten“ innen drin oder mit überhaupt irgendetwas objektmäßig bereits Abgegrenztem im Visier kommt es bei dieser Zoomerei und Stapelei im Ergebnis unweigerlich zur ‚Gestalt des Abstraktionskegels‘. Selbst dann noch, wenn der gewählte Ausschnitt als Untersuchungsobjekt von sich aus durchsichtig wäre. Oder was den Inhalt betrifft vakuum-leer. [13]

– [\Die „Welt der Materie + Energie“; \Die ‚Raum-Flanke‘ des »Referenzideals« – klassisch dreidimensional; \‚Vakuum‘ im Kognitiven Raum; \...]

Egal, ob im Original klein oder groß, rund oder eckig, dünn oder dick, flach oder gebirgig, kompakt oder aufgeschäumt oder irgendwie vernetzt, statisch oder dynamisch, klecksartig oder puzzlesteinförmig, bei ihrer »Transformation in den Kognitiven Raum« enden diese Dinge nach kognitiv oben zu [14] immerzu in einem derartigen Punkt. Selbst einem – zuvor irgendwie fest abgegrenzten – bloßen »Stückchen Klassischer Raum« würde es so ergehen! 

Das ist der Grund, warum ich allen Abbildungen, sobald es irgend um einen ‚fest umrissenen Weltausschnitt’ geht, sobald sie die Seitenansicht im Wissensraum zu einem bestimmten in sich zusammenhängenden Gebiet von Sichtbarkeiten oder einem entsprechenden Gebiet von Wissbarkeiten ausdrücken sollen, dem jeweiligen „lokalen gemeinsamen Hut“ von vorneherein die Kegelform als Soll mitgebe. Egal wie groß unser Nichtwissen innen drin bei den Details auch sein mag und egal was von den originalseits lokal vorzufindenden Wissbarkeiten wir – aus Unvermögen oder der Übersichtlichkeit wegen – gerade zu verschweigen belieben.

Die Allgemeingültigkeit dieses ‚Wissensträgertyps’ reicht aber noch weiter. Die Gesamtmenge der in der Welt überhaupt anlegbaren ‚Ausschnitte‘ – und damit automatisch auch die Sichtbarkeiten zu den eventuellen Objekten innen drin – ist über die genau gleiche Operation des Hochzoomens zu einer einzigen riesigen LÖSUNG unifizierbar: Sollen auch diese Ausschnitte beschreibungsmethodisch alle unter einen einzigen gemeinsamen Hut gebracht werden, entsteht als Gestalt der LÖSUNG zwangsläufig wieder etwas Kegelförmiges.

Als Wissensträgertyp wird dieser Kegel in seiner Horizontalen aufgespannt vom Konzept der „Materie und Energie in der Raumzeit“ und in seiner Vertikalen vom immer selben, beliebig weit nach oben und unten zu treibenden Operator des visuellen (bzw. kognitiven) Zoomens – oder durch ein entsprechendes ‚Herumreisen’ im zugehörigen Diskursraum.

Jede den irdischen Globus mit einschließende „größere Perspektive“, etwa diejenige von irgendwoher aus der Ferne auf unser Sonnensystem, auf die Milchstraße oder gar auf den Kosmos als Ganzem, wäre in der Abbildung 5 hoch oben – weit über dem „Top-Punkt“ für die Erde selbst – als ein die jeweilige Perspektive von dort aus umhüllender Kegel nachzutragen. In seine Breite hinein ließe dieser Superkegel sich bei Bedarf mit den Partialkegeln zur Darstellung all der anderen Planeten, all der anderen Galaxien und all der anderen in der WELT sonst noch existierenden bzw. momentan gerade interessierenden materiellen Objekte auffüllen. Alle Dinge würden dabei in ihren eigenen „nachbarschaftlichen Beziehungen zueinander“ und den jeweiligen „Entfernungen zueinander“ immer genau so dargestellt, wie sie unterwegs bei der zoomenden und schwenkenden Änderung der Perspektive im ‚Guckloch’ gerade aufscheinen. – (vgl. Box 1)

Box 1: Phänomene beim Visuellen Zoomen

Die  Zoom-Operation ist durch eine gemeinsame Menge an Effekten charakterisiert:

1.   Ständig wandert beim „Abstraktionszoomen“ eine ungeheure Menge an Wissbarkeiten über den Gucklochrand neu in das Blickfeld hinein – wozu alle vier Himmelsrichtungen ihren Teil beitragen.

2.   Jedes Objekt oder Merkmal, das unsere Aufmerksamkeit einmal auf sich gezogen hat, bewegt sich unter ständiger Verkleinerung auf das Bildzentrum zu und verschwindet dort – wegen der Grenzen des Auflösungsvermögens – irgendwann scheinbar ganz.[15]

3.   Die Komplexität des Gesamtbildes sollte wegen dieses Zustroms an weiteren höchst heterogenen Daten eigentlich ins Ungeheuerliche anwachsen. Doch ein Prozess der Clusterbildung erzeugt in unserem Kopf stattdessen nur neue Muster in immer umfassenderen Strukturen: „Bausteine“, „Ganze Gebäude“, „Wohnblocks“, „Städte“, „Länder“, „Kontinente“, „Planeten“ und Ähnliches an subsumierenden Objekten unterwegs. Jede Zwischenstruktur schrumpft automatisch – egal wie komplex sie selbst nach innen zu auch sein mag! – ebenfalls in sich zusammen und verschwindet irgendwann – „verlustfrei“ – als bloßer ‚Punkt’ ganz aus der Sicht. Und zwar in genau dem Maße, wie sich das diese Zoomfahrt simulierende „Raumschiff“ weiter von ihr entfernt.

4.   Dieses Szenario reproduziert nur „Sichtbarkeiten“, eine Untermenge der „Wissbarkeiten der Welt“. All sein „Wissen“ gewinnt es aber direkt an der Quelle: Der Realität. Es ‚spiegelt’ die „Gegebenheiten am Boden“ immer nur so wieder, wie diese jeweils sind. Eine Filmkamera, statt uns selbst in der Rakete, würde genau dieselben Ergebnisse erbringen: Das Ergebnis der Zoomoperation wird nicht von irgendwelchen menschlichen Erwartungen darüber beeinflusst (und verfälscht), was an Dingen als Nächstes ins Blickfeld hineinwandern sollte. Sie funktioniert unabhängig von all unseren Denkmodellen, Interpretationen und Behauptungen über dasjenige, was es dort vor Ort gerade ‚nachbarschaftlich’ zu sehen gibt. Unabhängig von allem Wunschdenken.

5.   Selbst dann, wenn wir irgendetwas als momentan „oberstes Objekt“ festhalten (beispielsweise eine bestimmte Eizelle, den Globus oder das Universum als Ganzes), ändern sich die Abbildungen von diesem ‚Objekt’ und ‚Weltausschnitt’ im Zuge des Herumzoomens dramatisch. Mehr noch: Der subjektive Eindruck, den wir von den Dingen bekommen, muss sich dabei sogar dramatisch ändern – spätestens alle paar Zehnerpotenzen weiter in der Auflösung.

6.   Trotzdem schafft es die Zoomoperation – im Gegensatz zu vielen unserer oft  leichtfertigen ‚Behauptungen’ über die WELT – nicht, die tatsächliche Kohärenz der Dinge zu durchbrechen. Nachbarschaftsbeziehungen und Entfernungen im Original werden daher genau so in die Bilder übertragen, wie sie in der Wirklichkeit gegeben sind. Bzw. so, wie sie vom Linsensystem der Kamera gemäß den Gesetzen der Optik abgebildet werden. Zwischen all den in diesem Szenario machbaren Abbildungen herrscht als zwingendes Gesetz: Einsheit und Konsistenz total.

Die Operation des » K o g n i t i v e n  Zoomens« wird später
anhand eines Satzes analoger Phänomene und Gesetze definiert werden.
[16]

(Fußnoten: Optionen für Proben auf Richtigkeit: Die zwangsläufige Mehrfachabbildung im Abstraktionskegel-Paradigma ist folglich keine (der drohenden Komplexität wegen am besten schnell wieder zu beseitigende) Redundanz. Eher sollte sie als willkommene Gelegenheit dafür gesehen werden, unter Entlarvungserscheinungen zu prüfen, wie weit die originalsei­ts sowieso existierende Konsistenz auch bei der Beschreibung schon zum Zuge kommt, sprich: in der Transformation der Dinge erhalten geblieben ist, d. h. in welchem Maße unsere Abbildungen wirklich Fehlerfreiheit garantieren – (vgl. auch das Stichwort: ‚Geltungsbereich’ einer Beschreibung(sweise) oder ‚Behauptung’).

Sind die Abbildungen unter­einander nicht konsistent (einschließlich all der Ansichten von der Front und der Seite der Dinge her betrachtet, oder bei Objekten in Bewegung, etwa aus der \Achterbahn-Perspektive oder bei einem individuellen Objekt das Aussehen über seinen gesamten Lebenslauf hinweg verfolgt – auch über all seine Metamorphosen hinweg – usw.), dann steckt irgendwo noch ein (oft schwer zu findender) Fehler in den Abbildungen bzw. im Abstraktionskegel selbst drin. Auch eine bewusste oder unbewusste Täuschung kann es sein, vielleicht sogar ein gekonnt gemachter Zaubertrick.

Der Lösungskegel ist,
solange er nicht durchgehend frei von \
Inneren Widersprüchen ist,
noch immer nicht \fertig.

Das extreme „Weltraum bis Mikrokosmos“-Zoomszenario hält alle derartigen Fehler – per knipsender Mechanisierung des Beobachtungs­prozesses – von vorneherein ausgeschaltet!

Sobald jedoch der Mensch – aus seiner subjektiven Vorstellung und seinen jeweiligen Intentionen heraus – ein Thema beschreibt oder ein Objekt in seinen Wissbarkeiten nachzeichnen oder simulieren möchte oder auch nur eine Hypothese über dessen Aussehen aufstellt, ist – ganz abgesehen von eventuell mangelnder Objekttreue im Detail – derartige Fehlerfreiheit keinesfalls garantiert. Man denke nur an all die inneren Widersprüche in den Weltbildern unserer Vorfahren, über die wir heute so überlegen lächeln, oder die in der Sache befremdlich scheinenden Fundamental-Behauptungen mancher Ideologen oder Sekten.[17]

Im "Sucher-Rahmen" des Zoomszenarios, der jeweils nur einen einzigen konkreten Ausschnitt auf die Welt freigibt, erscheinen innen drin, außer den hier zufällig genannten Stützstellen (Stift, Hörsaal...), massenweise weitere Objekte (vgl. Box 1). Unsere Aufmerksamkeit pendelt normalerweise hin und her zwischen dem gerade Auffallenden und dem wechselnden dynamischen Drumherum. Zu jedem momentan angesteuerten Ding bekommt man immer gleich eine ganze (kognitive) Nachbarschaft zu sehen, d. h. alle Bilder stecken zusätzlich voll mit anderem Sichtbarem (und Wissbarem), hoch-komplex manchmal. Aber immer in einer "originalseits gegebenen" wohldefinierten Schachtelung von Kontexten.

Einerseits sind wir abbildungsseits von diesem ‚Referenzideal’ noch weit entfernt, andererseits schreiten wir auf dem Weg dorthin ständig fort. Andernfalls wären alle wissenschaftlichen Anstrengungen, jede Forschungsexpedition, jedes Experiment, jedes Sponsoring von Erkenntnisgewinnung sinnlos und umsonst.)

3.4  Invarianz[18] und paradigmatische Mächtigkeit des »Wissensträgertyps Abstraktionskegel« 

Offensichtlich ließe sich das reine Zoomen und Stapeln auch für jeden anderen Ausschnitt aus der materiellen Welt so arrangieren – in exakt demselben Szenario. Das Ergebnis wäre auch in diesem Fall ein »Abstraktionskegel« – mit einem für genau diesen Ausschnitt im Diskursraum eindeutig platzierten ‚Top-Punkt’ als „Gipfel“ darüber. Das Innere der so gewinnbaren Mini- und Super-Kegel müsste jeweils noch um die (Unter-)Kegel für all die anderen Weltausschnitte ergänzt werden, die beim Durchzoomen ganz automatisch mit aufscheinen würden. Darunter mögen auch Gebiete „aus purem Vakuum“ sein (also „objekt“- und „inhaltsleerer“ Raum), der Mond dann irgendwo mittendrin, die Sonne, alle anderen Planeten, ganz andere Sonnensysteme, Cluster von Milchstraßen und alles, was wir im Ausgangsszenario unterwegs sonst noch miterlebt haben (und all dasjenige, was dort als Puzzlestein noch gar nicht dran kam).

In umgekehrter Richtung ließe sich jeder x-beliebige irdische Gegenstand, auch all diejenigen, die – wie etwa die Hand und der Bleistift – eher im Bereich des menschlichen Maßes liegen, individuell durchzoomen und so mit all seinen Sichtbarkeiten (und Wissbarkeiten im Detail) – diesmal aber als „Objekt“ und nicht bloß als „Weltausschnitt“ – kegelmäßig abspiegeln.

Von irgendeinem beliebigen Detail ausgehend nach oben gezoomt, schrumpfen auch diese irgendwann zu einem bloßen Top-Punkt zusammen und verschwinden dabei scheinbar in den „höheren Kontexten“, die jeder Top-Punkt zu jeder Zeit im Diskursraum mit sich herum schleppt. (Abbildung 5)

Box 2: Invarianzen beim Durchzoomen des Beispiels „Planet Erde”

 

Je mehr an Invarianzen in einem Modell stecken
desto größer ist der Geltungsbereich
über der Realität,
den dieses Modell abdecken soll.

1.   Hochzoomen ist von jeder beliebigen Örtlichkeit auf der Erde aus möglich: ein Blick durchs Mikroskop,  ein Ameisenhaufen, eine Picknick-Party, ein bestimmter Aussichtspunkt ... Egal, mit welcher Startrampe wir auch beginnen, der Top-Punkt, der sich am Ende ergibt, ist jedes Mal derselbe: Der „Blaue Planet“ als „Globus unserer eigenen Welt“. Und wenn wir es mit dem Hochzoomen noch weitertreiben, landen wir als letztem Top-Punkt jedes Mal beim selben „Ganzen“ – dem Universum. Dafür könnten wir genauso gut irgendwo ganz anders, etwa ganz unten auf einem Trabanten irgendeines Planeten irgendeiner Sonne irgendeiner fremden Galaxie loslegen – und sogar irgendwo mittendrin im „leeren Raum“ zwischen all den Körpern im Weltraum starten.[19]

2.   Das für die Zoomoperation so charakteristische Geschehen kann in all seinen Phänomenen anhand höchst unterschiedlicher ‚Wissensträgertypen’ simuliert werden: in Worten ausgedrückt wie hier, über Fotos und Filme „geknipst“, anhand von Landkarten und dem Atlas zusammengefasst, über mathematische Objekte beschrieben oder immer feinere „finite“ Netzwerke in allerlei Computerprogrammen dargestellt. Und sogar in Gedanken“ – als bloße Vorstellung.

3.   Egal, ob dieses Herumzoomen vor 5000 Jahren durchgeführt wurde, zum jetzigen Zeitpunkt oder erst in 5000 Jahren, man gelangt für die vor Ort angetroffenen Wissbarkeiten immer zu ein und derselben Trägerstruktur: dem »Geo-visuellen Abstraktionskegel«. Was auch immer die Kosmologen und Physiker im gerade begonnenen Jahrtausend zum ‚Wissensobjekt Erde’ noch entdecken werden oder an den bisherigen Vorstellungen korrigieren werden, so gibt es beim Unterbringen dieser Sichtbarkeiten (und der Wissbarkeiten) keinerlei Anlass, an dieser Trägerstruktur noch irgendetwas zu ändern. Sie unifiziert die zugehörigen Sichtbarkeiten seit und für alle Zeiten.

4.   Selbst wenn irgendwelche Informationen hinter Wolken versteckt sein sollten, ganz im Dunklen liegen oder wegen der korngrößen-bedingten Auflösungsgrenzen irgendeines Detektors nicht zu erkennen sind, wird deswegen keines der vorhandenen (und damit abbildbaren) Objekte, keine der Tatsachen und keinerlei tatsächliches Geschehen einfach aus der WELT verschwinden. Jede „Startrampe“, selbst wenn sie unseren Gedanken längst entschwunden ist, ist weiterhin da und würde an genau demselben Ort wieder auftauchen, sobald wir zu dem betreffenden Weltausschnitt zurückzoomen – und auch zum selben Zeitpunkt. Latent existieren die Örtlichkeiten des Starts auch dann noch – als eigenständige Sichtbarkeiten und Wissbarkeiten.

5.   Egal wie viel von den Ansichten und Details vor Ort uns unbekannt ein mag (“Im Himalaja jedenfalls bin ich selbst noch nie gewesen.”) hindern uns partielle Schwächen in der Wissensbasis (über Gebiete etwa, die gerade erst anfangen, ins Blickfeld hineinzurutschen) nicht im Geringsten daran, die lokal zuständige Top-Perspektive fehlerfrei zu erreichen: Im Beispiel eben den – wegen der Schwerkraft – von Natur aus runden Globus im Diskursraum von „Raum, Zeit und Materie“ + die von ihrer methodischen Natur her bereits kegelförmige Trägerstruktur für die Wissbarkeiten zu ihm – nach all ihrer Transformation in den so ganz anders aufzuspannenden »Kognitiven Raum«.

Für die im »Unterfangen Weltpuzzle« angestrebte Totalunifizierung der Dinge,
die ja weit über die bloßen ‚Sichtbarkeiten der WELT‘ hinaus
den vollen Umfang der Realität des »Originals WELT« abdecken soll,
müssen wir offensichtlich nach
noch weitergehenden Invarianzen suchen.

Es ist gedanklich nichts sonderlich Schweres, das so entstandene Grundkonzept des ‚Abstraktionskegels’, der als ‚Wissbarkeiten‘ bisher ja nur die auf der Erdoberfläche erscheinenden Draufsichten unterbringt, um eine Reihe weiterer Puzzlesteine zu ergänzen. Etwa solche:

·         für ein vollständiges Abbild der in Wirklichkeit ja dreidimensionalen irdischen Welt
– d. h. inklusive aller „Frontansichten“ und  „Seitenansichten“ der Dinge

·         für alle Schrägsichten auf die Teile, Landschaften und Objekte innen drin und oben drauf

·         für alle Innen-Ansichten (wie etwa dem Innenleben eines Termitenbaus oder die innerhalb des lebenden Körpers nur endoskopisch zugänglichen Ansichten eines ganz bestimmten Organs).

Natürlich lassen sich auch diese zusätzlichen Ansichten zur Erde (und ihren jeweiligen „Objekten“)  – genau im Takt des Zoomens bzw. nach Maßgabe der gerade gemeinten Sollauflösung abbildungsseits vergrößern und verkleinern. Beliebig und über die gesamte Zoomspanne hinweg.

Im Gegensatz zu den zweidimensionalen Bildern, die sich so leicht auf Papier, Leinwand oder dem Bildschirm unterbringen lassen (wie etwa die Abbildung 3), wird der bei diesen Transformationen entstehende »Geo-visuelle Abstraktionskegel« durch mehr als bloß zwei oder drei Dimensionen ‚aufgespannt’. Das aber macht es uns schwer, dieses Konzept zu visualisieren oder es sich sonst irgendwie konkret vorzustellen. Schon in der einfachsten Form bedarf es zu seiner Aufspannung ja gleich vierer Raumachsen: Die drei Dimensionen für den Klassischen Raum + eine weitere, davon unabhängige Achse für den Freiheitsgrad der Zoomens, d. h. für die Option, mit der sich der Auflösungsgrad der dort angetroffenen Dinge überhaupt erst variieren lässt.[20] Dazu kommt noch eine Extra-Achse für so etwas wie „das Lichtspektrum“ – um all das zusätzlich Wissbare ebenfalls abzubilden, zu dem wir anhand der Farb-Information gelangen können (wie etwa der lokalen ‚Temperatur’ eines Strahlers). Die riesige Spannweite der elektromagnetischen Wellenlängen, die sich – von überall im Weltall oder dem Erdball aus – zur Beobachtung der Dinge ganz nach Wunsch einsetzen lassen, erhöht die Anzahl der zur Aufspannung des fraglichen Diskursraums benötigten Achsen also noch weiter und erschwert so das Abbilden und das Sich-vorstellen-Können des Ergebnisses in Form eines ‚Abstraktionskegels‘ noch weiter. Das – komplette und sachlich richtige – Transformieren dessen, was originalseits gesehen wird, bzw. all dessen, was „überhaupt in der WELT sichtbar ist“, in diese immer dieselbe so einzigartig unifizierende Wissensstruktur hinein wird somit zum hoch-anspruchsvollen Arbeitsschritt.

Da in der WELT zusätzlich noch die Veränderung als Phänomen im Spiel ist, sich „Objekte“ selbständig in ein fix gehaltenes Blickfeld hinein bewegen können oder aus ihm heraus weiterfliegen, dort gar erst entstehen, sich ändern und später vergehen, so wie der Bleistift ja erst einmal fabriziert wurde und später in seinem Lebenszyklus in seiner Länge immer kürzer wird, muss, als weitere Raumachse, auch die „Zeit“ in das Bild der Dinge einbezogen werden.

Mit dieser letzten Erweiterung des Diskursraums jedoch wäre dann jedweder Zustand auf der Erde (und letztlich alles sichtbare Geschehen in der Welt als Ganzer von ihrem ersten Anbeginn im Urknall an bis hin zum "Weltuntergang") mittels eines einzigen gemeinsamen Wissensträgertyps unifizierbar. Das über genau diese Art von Transformation entstehende ‚Weltbild’ wäre – wenn überall bereits mit den tatsächlichen Sichtbarkeiten gefüllt – lückenlos vollständig: vom Allergrößten bis hin zum Allerkleinsten, vom ersten Anfang bis zum Ende.[21] 

Durch diese Integration des – als solcher ja ebenfalls beliebig durchzoombaren – Phänomenbereichs der Zeit wäre jede Art von Änderung in der materiellen WELT, d. h. alles ‚Geschehen’ egal, ob seine Vorgänge für uns gut erkennbar sind oder viel zu schnell oder zu langsam ablaufen, kurzum die gesamte „Geschichte der Welt“ in das Abstraktionskegel-Paradigma einbezogen. Und das sowohl im ganzheitlichen Überblick als auch im feinsten lokalen Detail.[22] 

Jedoch beschränkt sich das langsam entstehende Gesamtbild immer noch – zumindest vorerst noch – auf dasjenige, was "optisch sichtbar“ ist.

Damit wird jedoch nicht nur das natürlicherseits in der WELT Gegebene und Geschehende abgedeckt sondern auch der riesige, erst vom Menschen selbst erzeugte Teil der materiellen Welt, d. h. alle Technik, egal aus welchem Zeitalter, egal wie einfach oder komplex, solange das Ergebnis nur irgendwie „sichtbar“ ist: Werkzeuge, Bauten und Kunstwerke, Reißbrettzeichnungen ebenso wie alles Schrifttum, ja selbst die im dunklen Schrank eingesperrten Bücher und Filme, noch auf die Rolle gepackt oder später bei ihrer Projektion auf die Leinwand. Und das alles, egal wie richtig, praktisch, falsch, fiktiv oder verzerrt dabei die – mal nach Vorlage entstandenen, mal erst von uns selbst so erzeugten – Bilder auch sein mögen. Jede jemals irgendwo von irgendwem hingeschriebene Zahl oder Zeile, jedes Graffito oder Gemälde, jede Puppe oder Fabrik ist in diesem Abstraktionskegel schon mit enthalten. Und alles, was auf der Welt jemals auf irgendeinem Bildschirm angezeigt wurde oder in Zukunft noch erscheinen wird, ebenfalls. Alles an Computer-Animationen und erst noch zu erfindenden virtuellen Welten findet in dieser Unifikation ganz natürlicherweise seinen eigenen Platz. 

Soweit es die originalseitige WELT betrifft, werden die Dinge dabei immer bloß abgebildet. Sie werden noch nicht als Teile eines (dem Menschen) sinnvollen Systems interpretiert, noch nicht in einer bestimmten Landessprache oder festgelegten Arithmetik beschrieben. Alles, was auf Foto registriert wird, entbehrt zunächst jeglicher Bedeutung:

All das mit den "Konturen", "Gegenständen",
"Begriffen", "Eigenschaften" und "Zusammenhängen",
all das mit den "Mengen", "Systemen", "Teilen", "Anzahlen" ...
müssen Sie dann schon selber machen,
„lieber Herr Fotoapparat“! [23]

Und das mit den sonstigen "Objekten" unserer Vorstellung und all den anderen philosophischen und methodischen Kategorien der Weltbildmacherei ebenfalls.

Das somit, allein per Transformation, entstandene hoch-unifizierende Gebilde ist – paradigmatisch offen-sichtlich – äußerst mächtig, sowohl bei der Ordnung als auch der Explikation der anstehenden Dinge. Die Schwierigkeit für uns liegt darin, sich dieses seltsame und doch zwingende Gebilde als das eine Ganze vorzustellen, das es ja ist, und die konkreten Ausschnitte aus und die Zusammenhänge in ihm für uns immer einsichtig genug zu halten.

– [\Der extra ‚Abgrenzungsschritt‘ – zum „Denkobjekt“; \zu unserer „biologischen Bindung“ an das ‚Guckloch‘-Paradigma der »Kognik«; \„Tricks“ zur Darstellung von Unvorstellbarem; \Die ‚Erste‘ unter all den Dimensionen der Welt; \„Unifizie­rung“ + ‚Kegelschnitte im »Kognitiven Raum«‘; \...]

Damit aber wäre
– so wie es im »
Unterfangen Weltpuzzle« angestrebt wird –
zumindest "Alles Sichtbare dieser Welt" bereits
beschreibungsmethodisch unter einen einzigen gemeinsamen Hut
gebracht.

Oder kennt irgendjemand irgendwo irgendeine Ausnahme?

Dabei stellt das Szenario des visuellen Zoomens nur wenig an Voraussetzungen. Seine einzigen Annahmen sind, dass originalseits irgendwelche Bröckchen oder Brocken von Materie im – bleiben wir vorerst dabei – dreidimensionalen Raum vorliegen und dass diese Materiestücke selbstleuchtend sind. Oder dass sie die Strahlung irgendeiner externen Licht-Quelle reflektieren oder – auf irgendeine Art von Hintergrund – wenigstens ihren Schatten werfen, sodass sie sich selbst als individuelle Existenzen und Positionen in dem von uns gerade betrachteten Raumwinkel verraten. Voraussetzung ist, dass dieses Licht irgendwie registriert werden kann: als gebündelte Strahlen etwa oder holografisch als Wellenzüge oder als Unmengen von einzeln registrierbaren Photonen.

Bei der Wahrnehmung von Atomen und Quarks käme dabei als Frequenzbereich noch Pseudo-Licht von Hochenergieteilchen mit entsprechend kürzerer Wellenlänge bzw. die rein gedankliche Umsetzung unseres entsprechenden Wissens in Bild-Simulationen hinzu. Als Ersatz für die für diese Art von „Bröckchen“ viel zu langwellige, all die vor Ort vorhandenen Details gar nicht mehr in Einzelheiten auflösende klassische Strahlung. [24]  --- §+ Superstrings + Branes/Membranen [25]§

3.5 Charakteristika der Sichtbarkeiten der WELT
      –
nach ihrer Transformation in den »Kognitiven Raum«

Jeder der so gewonnenen Abstraktionskegel wird, neben seiner allen Kegeln gemeinsamen typischen Gestalt durch einen eigenen unübersehbaren Gipfel im »Raum der Wissbarkeiten«, einen in diesem Diskursraum eindeutig platzierbaren ‚Top-Punkt’ charakterisiert. Denn jedes in dem fraglichen Weltausschnitt enthaltene „Objekt“ und sei es nur eine dort nachträglich eingezeichnete ‚Umrahmung’ oder sonst irgendein abbildungsseitiges ‚Muster’ muss unter der Wirkung des Zoomoperators irgendwann selbst bis zum Punkt zusammenschrumpfen. Völlig unabhängig vom konkreten Gehalt an Sicht­barkeiten in dem momentan gerade ausgewählten Weltausschnitt. Bis es tatsächlich dazu kommt, müssen wir nur weit genug nach oben zoomen. (Abbildung 8)

Abbildung 8: Die Komponenten des ‚Abstraktionskegels an sich‘

Wenn also – sei es durch Zufall oder aus Absicht – der fragliche ‚Weltausschnitt‘ genau mit der Umhüllung eines bestimmten Objekts zusammenfällt, mit der Erde etwa oder dem Bleistift, einer Partitur oder was auch immer, wird dieser Top-Punkt – gemeinsam mit dem ganzen Kegel darunter – alle Sichtbarkeiten zu genau diesem Objekt enthalten (und letztlich auch all seine Wissbarkeiten). Selbst dann noch, wenn beide – Objekt und Rahmen – während eines weiteren Hochzoomens, wie es nun einmal ihre Natur ist, in dem Guckloch irgendwann bis zu völliger Unsichtbarkeit hinweg geschrumpft sind, wenn sie abbildungsseits als Objekte also nur noch in ‚überzoomter Form‘ existieren. Die Tatsache, dass Wissbarkeiten – zwar nur abbildungsseits, dort aber immer – derart in Latenz verschwinden können, ist faszinierend und irritierend zugleich. Doch sind Latenzierungsereignisse in der Welt der Sichtbarkeiten ein uns längst vertrautes Phänomen. Zumindest seit der Renaissance-Maler Filippo Brunelleschi (1413) und seine Schüler in ihren Bildern erstmals Weltausschnitte mit den Dingen “in voller Tiefe und Perspektive” gezeigt haben, haben wir eine methodische Ahnung davon, was es mit Strahlenpyramiden und Fluchtpunkten und Horizonten auf sich hat – und auf welche Weisen man mit diesen spielen kann. [26]  

Wenn dagegen – anders als im anfänglichen Raumschiff-Szenario in seiner ‚Guckloch-Begrenztheit‘ – der ausgewählte Gegenstand ständig dabei bleibt, den Raumwinkel vor Augen voll auszufüllen (so wie ich es – ohne die sonst gängige Bildung von ‚Ausschnitten‘ – oben in Abschnitt 3.2 am Beispiel des „Blauen Planeten“ durchgespielt habe) wird der Top-Punkt des Abstraktionskegels diesen Gegenstand in gewisser Weise gleich als ganzes Objekt identifizieren (egal ob das Ding einen eigenen Namen hat oder nicht): Allein durch dessen Position im Raum der Wissbarkeiten! Sein Top-Punkt[27] wird das jeweilige Objekt von jedem anders abgegrenzten, von jedem irgendwie mit ihm konkurrierenden (dort anderswo unterzubringenden) Objekt unterscheiden, sei es nun irgendein anderer aus der Menge der Weltraum-Tra­banten, ein anderer Bleistift, irgend ein „Telefonapparat“ – oder was auch immer.[28]

Der langen Rede kurzer Sinn: Zumindest im Wissensgebiet desjenigen, was von der WELT in Form von Sichtbarkeiten erfassbar ist, sind all unsere Weltbilder schon heute zu einem einzigen „Unifizierten Abbild der Dinge“ zusammengewachsen: Dinge im Tatsächlichen der Materiellen Welt ebenso wie alles, was als Virtualität und sehbare Illusion erst erzeugt wurde, samt allem, was in Raum und Zeit positionsmäßig bloß dorthin behauptet wird. Trotz all der daran im Einzelnen beteiligten Komplexität, trotz der individuellen Unterschiede im Inneren all der jeweiligen Weltausschnitte, trotz all der Optionen bei der Wahl der Perspektiven auf das Original und der Auflösungsgrade für das Detail. Die allerunterschiedlichsten lokalen und globalen Konzeptionen, egal aus welchem Zeitalter sie auch stammen mögen – und all die Arten von geometrischer Methodik und jemals ausprobierter optischer Technologie nicht zu vergessen – haben damit schon längst die Art von gemeinsamem Hut gefunden, nach dem oben gemäß Abschnitt 1. in diesem Unterfangen gesucht wird. (vgl. Box 2)

Es stellt sich heraus,
dass der gemeinsame Wissensträger
für diese Art von „raumgreifender“ Unifizierung
zwangsläufig vom Typ des »Abstraktionskegels« ist.
[29] [30]

Die hohe Nützlichkeit des derart ableitbaren »Abstraktionskegels für den 3D-Raum« ließ sich in der WELT nicht ewig übersehen und methodisch nicht immer außen vor lassen. Was von den Tieren etwa und den Steinzeitmenschen gar nicht erst bemerkt wurde, hat sich der moderne Mensch längst zu allerlei kognitivem Werkzeug zurechtgebastelt.

Die – immerzu in bloß zwei seiner Dimensionen operierenden – Atlanten hatte ich bereits erwähnt. Die Geometrie als Wissenschaft ebenso. Auch die Programmpakete zum rechnergestützten Entwerfen von Dingen (CAD) sind nichts anderes als Werkzeuge, um das Geschehen und die Möglichkeiten in diesem so vielseitig verwendbaren ‚Wissensträgertyp‘ aufzugreifen und gestaltend zu simulieren. Dabei ist die ganze CAD-Technik ja nur um eine einzige originalseits genau feststehende, seit Urzeiten wissbare Menge an Optionen herum organisiert, um ein einziges „Menü an Mausklicks“ sozusagen. Diese Vereinigungsmenge wird uns später als »Palette der Freiheitsgrade im Kognitiven Raum« wieder begegnen.

Doch beachte man: Selbst wenn man die besten der heutigen Atlanten, Einzelkarten, Kataster, Satellitenfotos, Computerdatei­en, Bohrkernanalysen, ... allesamt in einer einzigen Datenbank zusammenspielen würde, würde damit der hier in Form seines »Referenzideals« vorgestellte „Abstraktionskegel der Sichtbarkeiten“ erst bruchstückhaft und stümperhaft kläglich verwirklicht.

– [\Die „Reflexion“ des »Originals WELT« – in der Richtigkeitsinstanz #2s]

Man beachte insbesondere die folgende Invarianz: Selbst wenn die Erde in Wirklichkeit aus dieser Scheibe bestünde und die Sterne nur die im Mittelalter vermuteten Durchstichlö­cher durch die Schalen des Firmaments wären, würde das – bei der transformierenden Abbildung der WELT – an der Einsetzbarkeit des Wissensträgertyps »Abstraktionskegel« kein Jota ändern. Auch in einer originalseits tatsächlich so gearteten Welt käme man am Ende an dem „Paradigma des sich kognitiv nach oben zu einem Punkt verjüngenden Stapels von Karten abnehmender Detailauflösung“ nicht vorbei: mit genau denselben Freiheitsgraden im Umgang damit wie auch sonst. Nur bei der Anzahl der den zuständigen Diskursraum aufspannenden Dimensionen und entsprechend bei den gerade noch wahren Inhalten würden sich ein paar Einzelheiten ändern.[31]

Es ist also gleichgültig („gleichermaßen gültig“), wie gut oder schlecht wir selbst in unserem klassisch geprägten Denken mit den Vorstellungen zur WELT zurechtkommen, etwa mit Einsteins Relativitätstheorien, den Unschärferelationen oder was auch immer. In jedem Fall kann die originalseitige WELT, egal wie diese nun einmal ist, anhand der  »Kognitiven Freiheitsgrade« – und dazu zählt auch die kegel-aufspannende Zoomoperation – studiert und abgebildet werden. Voraussetzung ist nur, man beherrscht schon die „richtige Art der Transformation“ der Wissbarkeiten in den ‚Kognitiven Raum’.

Dazu sollte man natürlich – neben den bloßen Gesetzmäßigkeiten des „Abstraktionskegels an sich“ – möglichst schon die konkrete Aufspannung des Diskurs- + LEGE-Raums zur »LÖSUNG des Puzzles WELT« kennen (bzw. zur Aufspannung des »Referenzideals der Abbildung der WELT«).

Diese Art der Abbildung – aber nur sie – erlaubt es uns sogar, die Welt, in der wir leben und in die wir körperlich unweigerlich eingebunden bleiben, doch noch in gewisser Weise zu „verlassen“ und sie, die WELT selbst, in Teilen oder als Ganzes so zu beschreiben, als ob wir sie – und uns selbst innen drin – von außen her sehen könnten. Das ist der eigentliche Clou des ‚Abstraktionskegel-Paradigmas‘. Ein methodisch recht ergiebiger jedoch und für alles Herum-Philosophieren der eigentlich entscheidende: Der „Bewegungsspielraum des Menschen als Körperwesen“ und der „Bewegungsspielraum des Menschen als Geistwesen“ sind zweierlei. Jeder der – entsprechend unterschiedlichen – Räume hat seine eigenen Freiheitsgrade und seine eigene achsenmäßige Aufspannung. Genau das aber liefert uns die Möglichkeit dazu.[32] 

Soweit dieser erste, von mir eher didaktisch gedachte Paradefall zum ‚Abstraktionskegel-Paradigma‘. Als Beispiel erledigt er jedoch nur ein erstes Tortenstück des »Puzzles WELT als Ganzem« – ein einziges unter mehreren anderen, ähnlich umfassend mit Wissbarkeiten versehenen Tortenstücken.

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Zusammenfassung zu diesem Teil

Hier gelernt: Mit Hilfe der ‚Transformation der Dinge in den Diskursraum des »Wissensträgertyps Abstraktionskegel«‘ ist eine umfassende Unifizierung möglich – zumindest für die „Sichtbarkeiten der Welt“.

Über den Sichtbarkeiten der »WELT im Original« entsteht – mit der Reinheit eines Einkristalls – abbildungsseits ein ganz bestimmtes in sich stimmiges Gebilde. Jeder ‚Weltausschnitt‘ – zumindest aus der Materiellen Welt – hat bzw. bekommt so im Abbildungsseitigen sein eindeutiges Pendant.

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Überblick über den Rest dieses Essays (+ des Unterfangens als Ganzem)

1.   Das aus diesem Paradefall heraus entwickelte Lösungsmuster wird weiter verallgemeinert. 

2.   Das entstandene Verfahren wird zunächst an einem, später an mehreren, inhaltlich ganz anders gelagerten Fachgebieten getestet – und damit an Unmengen von oft ähnlich unübersichtlichen Einzelwissbarkeiten aus dem jeweiligen Weltausschnitt.

{Unter dem Einfluss des Zoomoperators ordnen sich auch dort die einzelnen Puzzlesteine und anfangs in ihrer Komplexität verschreckenden Wortfelder auf ganz natürlich Weise zu eigenen „unifizierten Tortenstücken des Großen Ganzen“. Die Art der Transformation zwischen dem Originalseitigen und dem Abbildungsseitigen und das Phänomen der „Raumgreifung über den Zoomoperator“ sind für alle Fachgebiete dieselben!}

– [\Das »Pusteblumenlogo der Kognik«; \als – ‚im Abbildungsseitigen‘ extra vorzuschaltender – Arbeitsschritt: Die „richtige“ ‚Transformation der Dinge‘ in den »Kognitiven Raum«; \Die »Regeln der Kunst der Kognik«; \...]

3.   §Die Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten bei dieser Transformation und den Raumgreifungen
+ erste Tipps zur methodischen Nutzung der dabei entstehenden »Abstraktionskegel«.§

4.   §Mathematisierung dieses Wissensträgertyps aufgrund seines Charakteristikums als: »Punkt, der sich teilen lässt«

-------------------------------------------------- Ende des 1. Satzes dieser „Symphonie“ -----------------------------------------------


4.  Verallgemeinerung der Hypothese

Meine Behauptung lautet:

Derselbe Typ von ‚Wissensträger‘,
der »Abstraktionskegel an sich«,
eignet sich für die im »Unterfangen Weltpuzzle« angestrebte
Unifizierung ausnahmslos aller Wissbarkeiten,
d. h. auch bei Ausdehnung auf all die anderen Bereiche der Realität,
die nicht mehr mit den simplen ‚Gelegenheiten der Sichtbarkeit‘ zu erfassen sind.
Auch dann, wenn es nicht mehr bloß um Dinge der ‚Materiellen Welt’ geht.

Bei all den anderen „Tortenstücken des großen Ganzen“,
der originalseits vorliegenden WELT also,
führt genau derselbe ‚Wissensträgertyp‘
als Diskurs- + LEGE-Raum ebenfalls zur LÖSUNG.

Zur »LÖSUNG des Puzzles WELT«, diesem gigantischen, hochkomplexen Ganzen muss man – zwangs­läufig – auf den hier vorgestellten ‚Wissensträgertyp‘ setzen: Auf dieses besondere Konstrukt, in dem für ihn passenden und doch so ungewohnt aufzuspannenden Diskursraum. Und damit auch auf die Palette der »Zoomphänomene« und die besondere Palette an »Freiheitsgraden der Bewegung und des Handelns«, durch die dieser neuartige Raum erst definiert wird. [33]

4.1  Anforderungen an den Wissensträgertyp zur LÖSUNG des Puzzles

Das würde bedeuten:

A.  Jedes Ding bekommt bei seiner Transformation aus dem Original WELT heraus in diesen zwangs­läufig „ausrollbar-dimensionalen“ Diskursraum, den »Kognitiven Raum«, seine eigene feste Position. Das gilt zunächst nur in der Idealreflexion der Wirklichkeit in diesen Raum („Das Referenzideal der Abbildung der WELT“). Im Puzzle-Paradigma entspricht das der „völlig fehlerfreien“ gemeinsamen Platzierung all ihrer Wissbarkeiten. Alles irgend vorhandene und denkbare Puzzlesteinmaterial, noch weit über den sowieso schon besseren Wissensstand des Jahres 3000 hinaus, wäre dabei „schon richtig“ in diesen Referenzraum transformiert.

Der Grund für diese besondere Platzierbarkeit ist die Überzoombarkeit der Dinge, ein Phänomen, das zunächst nur für ‚Weltausschnitte’ gilt, was aber ab einem bestimmten Grad des Hochzoomens – automatisch – auch deren jeweilige ‚Inhalte’ abbildungsseits zum Verschwinden bringt.[34] 

Derselbe Wissensträgertyp mit demselben unifizierenden Diskursraum lässt sich aber auch heute schon bei der Unterbringung unseres – bei weitem nicht so perfektem – Wissens über die Welt einsetzen. Das fragliche Wissen mag dabei noch aus dem winzigsten und entlegensten der in der WELT überhaupt anlegbaren Weltausschnitte stammen und aus den seltsamsten Perspektiven auf diese. Der momentan zu transformierende Puzzlestein kann dabei – als Ding – sogar eine bloße Hypothese sein (d. h. eine von irgendjemand aufgestellte oder noch aufstellbare Aussage unter Einsatz von mehr oder weniger verlässlichen Rückgriffen auf das Original WELT selbst).

Als Behauptung kann so ein Ding oder Puzzlestein also ohne weiteres richtig sein oder falsch.

– [\zur „Abbildtheorie“; \‚Behauptungen‘ – als solche; \...]

B.  Unter dem Einfluss gewisser Operatoren – das »Kognitive Zoomen« ist nur eine aus der vollen Palette an Bewegungs- und Handlungsoptionen in diesem Raum – muss sich der einzelne Denk-Posten nach bestimmten festen Gesetzen in diesem Diskursraum bewegen und sich in seinem eigenen Aussehen verändern. Mit dem in Gedanken jeweils gerade eingenommenen Beobachterpunkt, dem von dort aus angewählten Weltausschnitt, den darin enthaltenen ‚Wissenslandschaften’, ‚Objekten’, ‚Systemen’ (oder bloßen ‚Texturen’) und den an diesen jeweils aufscheinenden Merkmalen und Zusammenhängen, muss sich die abbildungsseitige „Spiegelung der Dinge“ auf dem (kognitiven) Bildschirm ihrer Gestalt nach verändern. Das dort momentan entstehende Bild kann aber – im Prinzip wenigstens – ebenso eindeutig vorhergesagt werden, wie es bei den Sichtbarkeiten allein schon anhand des »Originals WELT« und der Gesetze der »Optik« möglich ist, das spätere Aussehen des Fotos und die Gestalt der Dinge auf ihm vorherzusagen, wenn für die Aufnahme nur alle Spezifikationen ihrer – allemal sucher- oder rahmenhaften – Abgrenzung und der Bildtechnik genau genug vorgegeben werden.

C.  Charakteristikum von Abstraktionskegeln ist es, dass dort, ebenso wie beim Entwerfen von materiell eventuell noch gar nicht existierenden Dingen in der CAD-Technik (= computer-gestütztes Entwerfen) alle Wissbarkeiten des gewählten Realitätsbereichs immerzu miteinander konsistent „gemanagt“ werden. Auf Seiten der „existierenden Realität“ sind die Wissbarkeiten sowieso schon derart konsistent – d. h. ohne den geringsten inneren Widerspruch zwischen den einzelnen Blickwinkeln oder Zoomschichten. Denn jenseits der individuellen (vielleicht noch gar nicht richtig verstandenen) „Fakten“ gibt es – als WELT im Ganzen – ja immer nur eine einzige  ALLE Wissbarkeiten umfassende Wirklichkeit. Diese originalseits bedingte Tatsache müssen wir abbildungs­seits „bloß“ richtig nachzeichnen.

D.  Die Dimensionalität des »Kognitiven Raums« und des „Allerobersten Abstraktionskegels in ihm“ sowie die genaue Struktur und Mächtigkeit dieses universellen Wissensträgertyps wurde von der Wissenschaft – sträflicherweise – noch nicht systemisch genug erforscht. Sonst hätten wir die Grundkenntnisse dazu schon damals im Schulunterricht mitbekommen. (Daher auch das besonders große Fragezeichen in den beiden LOGOS des Unterfangens.) Sobald diese Arbeit jedoch einmal erledigt sein wird, verfügt man über ein gemeinsames Bezugssystem, das für die in den »Kognitiven Raum« allfälligen Transformationen immerzu gültig ist, ein einziges, qualitativ immer dasselbe Schema, um dort am Ende „ausnahmslos Alles“ unterbringen und es dort zu neuen Gedankengängen kombinieren zu können.

E.   Zu diesem „Alles“ zählen auch all die großen und kleinen kognitiven Hilfsmittel (wie „Kategorien; Konzepte; Methoden; Archive; Lehrmaterialien; Benutzeroberflächen; Architekturen; ...“), die im Zuge der Kulturisation der Menschheit evolutiv – und unabhängig voneinander oft mehrfach – in die Welt gekommen sind (als „brainware, software, hardware, orgware, ...“). Wegen dieser – wiederum zoombedingten – Unifizierbarkeit als „Hilfsmittel“ lassen sich all diese heterogenen Werkzeuge für den Umgang mit den ‚Dingen des Kognitiven Raums’ in Zukunft einmal in einer einzigen »Kognitiven Infrastruktur« zusammenführen – und diese hinfort als solche „managen“ (Abbildung 9). Ähnlich wie die früher getrennten Möglichkeiten der Bewegung im Klassischen Raum als Netze und modale Komponenten des Transport- und Verkehrswesens (oder diejenigen der Kommunikation) heute langsam zu einem einzigen integrierten Ganzen zusammenwachsen und jedem zum Umgang mit dieser Infrastruktur fähigen Nutzer dann zur Verfügung stehen. Unabhängig von der „per Navigation im Raum“ von diesem gerade angesteuerten Gegend oder seinem speziellen Ego als „Verkehrsteilnehmer“. Auf lange Sicht ist – vorsichtig formuliert – ein »Kognitiver Universalatlas« mit eigenen Standards und ebenso einheitlicher Handhabung all seiner „nicht-klassischen Landkarten“ nicht auszuschließen.[35] --- (Technisch: Mit all den auch sonst unvermeidlichen Kompromissen aus dem jeweiligen Verhältnis zwischen Nutzerbedarf und Erstellungsaufwand!)

Abbildung 9: Hilfsmittel + ‚Kognitive Infrastruktur‘

4.2  Objekte im »Kognitiven Raum«

Ein im Original WELT per Selektion angelegter Weltausschnitt wird nach der Transformation seiner Wissbarkeiten in den »Kognitiven Raum« dort koordinatenmäßig ansteuerbar. Dieser Weltausschnitt kann – wie im Falle der ‚Sichtbarkeiten der WELT’ – am Ende auch der Klassische Raum als Ganzes sein, sofern der momentan interessierende Ausschnitt sich nicht auf irgendein kleines Stückchen davon beschränken soll. Er muss beides aber nicht, denn er kann auch anders. Als Inhalt kann das Hilfsmittel „Weltausschnitt“ ebenso die gesamte ‚Materie des Universums’ umfassen wie nur lokale bzw. erst durch irgendein Wunschmerkmal festgelegte Bröckchen daraus. Der Weltausschnitt muss noch nicht einmal dies, denn seine Inhalte können ja auch von ganz anderer Qualität sein als bloße Materie und Energie: reine ‚Gedanken’ etwa.

Insgesamt suchen wir im »Unterfangen Weltpuzzle« nach einem universell einsetzbaren Trägermedium zur geordneten Aufnahme ‚beliebiger Wissbarkeiten’. Es geht um etwas jenseits des bloßen ‚Gucklochs oder Sucherinhalts wie es das ‚Szenario der bewegten Kamera’ beherrschte, jenseits der noch unberührten Leinwand des Malers bzw. dem leeren Reißbrett des Technikers, jenseits der Tischfläche auch, die für das Legen eines Pappkarton-Puzzles freigeräumt wird, jenseits des für jede neue Sendeanstalt ebenso gut geeigneten Fernsehbildschirms oder sonstiger ihre eigenen momentanen Bildinhalte gar nicht „kennender“ Vielzweckdisplays, jenseits des mit was auch immer noch unbeschriebenen Speichermediums, jenseits des Raumes der klassisch-dreidimensionalen Geometrie oder der (von vorneherein ziemlich zurecht verzerrten) Problemräume üblicher Systemanalyse und Modellbildung: Gesucht wird ein ‚Wissensträgertyp‘, bei dem sogar die Durchzoombarkeit der Dinge und dabei die Möglichkeit, von überall und nirgendwo aus philosophisch „meta“ zu gehen von vorneherein integriert ist. Und das, ohne später – deus-ex-machina-mäßig – auch nur auf ein einziges ‚Fremdparadigma zugreifen zu müssen. --- (als eine Art „Eierlegender Wollmilchsau zum Reiten“ also!)

4.3  Mächtigkeit des »Wissensträgertyps Abstraktionskegel«

Mit dem »Abstraktionskegel« als Sollstruktur haben wir einen solchen Wissensträgertyp jedoch schon gefunden: Denn egal, woher originalseits ein Weltausschnitt auch stammen mag, egal wie groß oder klein sein Wissensgebiet auch sei, egal wie zu ihm und seinen Dingen das Wortfeld – in einer bestimmten Sprache etwa – konkret aussieht und was es im Einzelnen an Begriffen enthält, sofern wir nur genügend weit nach oben zoomen, enden all diese Wissbarkeiten irgendwann in einem einzigen „Punkt“. Genau so, wie ich es oben am Beispiel der Sichtbarkeiten abgeleitet habe. Egal, ob das in diesen Wissensträgertyp hinein zu transformierende Ding oder Wissensgebiet noch – direkt oder über Umwege – visuell erfassbar ist (wie im Abschnitt 3.3) oder gar nicht erst im Diskursraum von klassischen Raum, Zeit und Materie unterzubringen ist, weil der Geltungsanspruch auf „etwas ganz anderes“ angesetzt oder gleich auf irgendein „ausnahmslos Alles“ hin erweitert wurde. Jedem zuvor irgendwie abgegrenzten ‚Fleck im Kognitiver Raum’ passiert – aber immer nur im Abbildungsseitigen – dieses seltsame „in die Latenz Wegschrumpfen“ all seiner Dinge und Belange. Das aber unweigerlich: in dem dem jeweiligen ‚Weltausschnitt‘ entsprechenden ‚Punkt der Kognik‘! (Abbildung 10) [36]

– [vgl. auch \Abbildung 7 + \Abbildung 8; \Definitionsgrafik: »Der Punkt, der sich teilen lässt«; \...]

Abbildung 10: Der ‚Punkt der Kognik‘ – einer, der „sich teilen“ lässt

Mit dem Raum für die Sichtbarkeiten der WELT haben wir nebenbei auch schon den Raum erfasst – und ihn als Diskursraum unifiziert -, in dem die gesamte ‚Materielle Welt’ existiert und sich abspielt. Die zur abbildungsseitigen Aufspannung der WELT dimensionsmäßig zusätzlich noch nötigen Konzepte von „Materie & Energie“ – egal ob große Brocken oder ganz kleine – und all der (ganz und gar nicht mehr zu den Sichtbarkeiten zählenden) Merkmale wie „Masse“, „Anzahl der gerade beteiligten Atome“, „lokale Temperatur“, „Zähigkeit“, „ausgeübte Kraft“ bzw. „Wechselwirkungen untereinander“, „Drehimpuls“, „Isospin“ usw. usw., stammen aus einem ganz anderen Tortenstück der Wissbarkeiten der WELT: Ein weiterer Beitrag zur eigentlich gesuchten LÖSUNG, einer, um den sich aber Physiker und Kosmologen schon längst kümmern – als eigenständige Flanke des Lösungskegels des »Unterfangens Weltpuzzle« – [\»Pusteblumenlogo«]. Deren endgültiger fachlicher Beitrag zum ‚Großen Fragezeichen des Puzzles WELT‘ und die ultimativen Erfolge ihrer fachspezifischen Unifizierungsbemühungen – Stichwort: „Weltformel“ – bleiben noch abzuwarten. Ich begnüge mich hier noch mit der bloßen Anspielung auf dieses scheinbar so andersartige, eigenständige Tortenstück.

Aber selbst das Wissensobjekt „Materielle Welt in Raum und Zeit“ ist im »Puzzle WELT« – als Ganzes genommen – ja noch immer nicht Alles. Die Vereinigungsmenge der zu diesem gigantischen Puzzle gehörenden und damit in dem Unterfangen korrekt miteinander zu verzapfenden Wissbarkeiten reicht noch weiter.

4.4  Zwangsläufige Eigenschaften aus der systemischen Vererbbarkeit von Merkmalen

Wir haben es im »Unterfangen Weltpuzzle« – wie oben erwähnt – parallel zueinander mit zwei grundverschiedenen Räumen zu tun. Mit zwei in sich zusammenhängenden Objekten jeweils eigener Aufspannung, mit eigenen Freiheitsgraden und eigenen in ihnen geltenden Phänomenen und Konsistenzbedingungen: Dem „Bewegungsraum für den Menschen als Körperwesen“ und dem „Bewegungs­raum für den Menschen als Geistwesen“.

In seiner Beobachtbarkeit und Abbildbarkeit ist der „Bewegungsraum für den Menschen als Körperwesen“, der Klassische Raum, automatisch ein Unterraum des zweiten. Viele der – aus dem eigenen Umgang mit dem Klassischen Raum vertrauten oder in der Schulzeit eigens angelernten – Merkmale und Möglichkeiten gelten auch bei der Beschreibung des für das »Unterfangen Weltpuzzle« derart massiv zu erweiternden Diskursraumes:

Neben der Möglichkeit zum Heraussuchen oder Herausschneiden von ‚Teilen’ („Weltausschnitte“) und der mehr oder weniger eindeutigen Positionierbarkeit der Dinge gibt es abbildungsseits noch ganz andere diskursraumtypische Charakteristika, etwa: Richtung, Nachbarschaft, Verzweigung, Nähe und Ferne, Gebiet, Route und Irrweg und manch andere vom Paradefall her ebenso leicht übernehmbare Denkkategorie. All diese abstrakten Konzepte gelten – über den Klassischen Raum hinaus – im ganzen »Kognitiven Raum«! Insbesondere kann man in dem erweiterten Diskursraum allerlei – nützliche oder brotlose – Kegelschnitte, Projektionen, Neukombinationen und sonstigen Optionen und Tricks aus der klassischen Methodik anlegen. Als natürliche Merkmale des Abbildungsseitigen werden sie uns dort auf Schritt und Tritt begegnen. Denn sie werden – allein vom Abbildungs- und Diskursraumgeschehen her – an beide Räume gleichermaßen “vererbt“.

4.5  Spezifische Erschwernisse

Das Aussehen der Dinge in diesem zweiten Diskursraum lässt sich jedoch nicht mehr so quasi-gratis gewinnen und nicht mehr so automatisch auf die Richtigkeit seiner Darstellung hin überprüfen, wie es beim Aussehen bloß materieller Objekte der Fall ist: Dazu fehlt in diesem Raum und für all die mangels spezifischer Sichtbarkeiten nur in ihm darstellbaren Wissensgebiete die Option, das gerade Fragliche schlicht zu „sehen“ und es – möglichst komplementär zueinander –  aus allen Blickwinkeln heraus zu „fotografieren“. Alles an Darstellungsarbeit für dasjenige, das in diesen Wissensgebieten ja ebenfalls nur von einem bestehenden Original her angeboten wird, müssen wir dort schon selber machen: Durch mühsames Transformieren und Zurechtpuzzeln der allerbesten Erkenntnisse – und das unter immensen Irrtums- und Fehlerrisiken. Daher sind unifizierte Darstellungen bisher auch so selten, wenigstens solche für derart großräumige und hochabstrakte Zusammenhänge, wie sie speziell in der Nähe des ‚Großen Fragezeichens des Puzzles WELT’ von Belang sind.

Überall dort, wo es – mangels Sichtbarkeit und Fotografierbarkeit des eigentlich Gemeinten – den linken Teil der Abbildung 6 gar nicht mehr gibt, bleibt einem immer noch die Darstellbarkeit der Dinge gemäß ihrem rechten Teil: Dann als Positionen und Formen innerhalb des dafür zuständigen Abstraktionskegels und damit im so anders als gewohnt aufzuspannenden „Raum der Wissbarkeiten“.

Das „Aussehen der Dinge im Raum der Wissbarkeiten“ aber ist ebenso eindeutig und in den Zusammenhängen ebenso gesetzmäßig, wie es das uns – praktisch und methodisch – so vertraute „Aussehen sichtbarer Dinge im Klassischen Raum“ ist.[37] [38] [39]

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Zusammenfassung zu diesem Teil:

Hier dazu gelernt:

1.      Systemische Anforderungen an die LÖSUNG

2.      Die selbständige Existenz des »Kognitiven Raums« + des ‚Gucklochs‘ zu seinem Abscannen

3.      Die Sonderrolle des »Wissensträgertyps Abstraktionskegel« – seine Mächtigkeit/ sein Gel­tungsbereich

4.      Chancen und Schwierigkeiten bei seiner bildlichen Vorstellung, beim inhaltlichen Zusammenpuzzeln und des methodischen Umgang mit ihm

Überblick über den Rest dieses Essays + des Unterfangens:

1.      Ein zweiter Paradefall – in genau derselben Grund-Strukturierung

2.      §Mehr zum »Abstraktionskegel« und seiner Methodik
– im Vergleich zu den anderen »Wissensträgertypen«§

3.      §Mehr zur Palette der »Freiheitsgrade für die Bewegung + das Handeln in der kognitiven Welt«§

-------------------------------------- Hier: Sollbruchstelle bei einer Veröffentlichung in „Teillieferungen“ -----------------------------

---------------------------------------- Ende dieser Abschweifung in die „Kunst des Komponierens“ ------------------------------------


5.  Ein Paradigma für den »Kognitiven Prozess« als solchen

Grundsätzlich lassen sich höchst unterschiedliche Interessengebiete aus der Realität der Welt herausschneiden und deren Wissbarkeiten – nach der passenden Transformation – gemäß den Vorschriften des »Wissensträgertyps Abstraktionskegel« ordnen und zusammenfügen. Da die Durchzoombarkeit der Dinge eine Eigenschaft bloß der Weltausschnitte ist, bleiben die Phänomene und die Arbeitstechniken immer dieselben – egal um welches Ding, um welchen Weltausschnitt oder welches Wissensgebiet es dabei auch gehen mag.

Ich möchte die Einsicht in diese eigentümliche Invarianz des »Wissensträgertyps Abstraktionskegel« in Bezug auf seine Inhalte durch ein zweites Beispiel vertiefen: Bei dieser Demonstration soll es – als ‚Weltausschnitt‘ – um den »Kognitiven Prozess als solchen« gehen.

„Denken“ und „Denken-Können“, als eigenständiges Forschungs- und Wissensgebiet, gehören in der Aufspannung seiner eigenen Phänomene, Möglichkeiten und Notwendigkeiten in ein völlig anders geartetes „Tortenstück des insgesamt gesuchten Großen Ganzen“ als die oben unifizierten Sicht­barkeiten (mit all ihrer Ortbarkeit im Klassischen Raum). Die Wissbarkeiten spezifisch zum »Kognitiven Prozess« liegen aber immer noch im Diskursraum zum – im »Unterfangen Weltpuzzle« abbildungsseits erst einmal zu unifizierenden – einen »Original WELT«.

Schauen wir uns – im Vorgriff auf eine ausführlichere Systemanalyse – mal an, was in diesem Falle alles an Wissbarkeiten, Phänomenen, kognitiven Landkarten, Navigationsrouten, Invarianzen auftritt und was auch immer sonst noch. Bzw. was – im Zuge der ‚Kognitiven Herumzoombarkeit‘ – jeweils korrekterweise aufscheinen sollte.

{Trotz seiner eigenen Mitzoomerei, die gleich folgen wird, möchte ich den Leser bitten, dabei unbedingt den „Prozess des Abbildens der WELT“ als ein einziges Ganzes im Hinterkopf zu behalten. Er, dieser wohl abgegrenzte Prozess, wird in diesem Abschnitt das eigentliche Objekt der Beobachtung sein. Er, der »Kognitive Prozess als Ganzes« soll – Modell stehend als Objekt des Interesses – hier dieselbe zentrale Rolle einnehmen, die oben im Abschnitt 3.2 der „Planet Erde“ (bzw. das „Universum“) spielte. [40]}

Der Einfachheit halber stelle ich mir seine – abbildungsseitige – Darstellung auf acht verschiedene Auflösungsgrade oder Zoomschichten verteilt vor. Abbildung 11 zeigt diese in der Seitenansicht auf den zugehörigen Abstraktionskegel. Abbildung 12 dagegen in der Draufsicht auf diesen. Die Zahl acht ist nicht zwingend, aber selbst die Macher eines Weltatlasses müssen sich schon vorab entscheiden, anhand welcher Palette von Auflösungsgraden, sprich: diskreter Maßstäbe, sie das von ihnen widerzuspiegelnde Objekt des Interesses denn darstellen möchten. Und das obwohl der „Planet Erde“ und alle anderen sichtbaren Objekte in ihrem Aussehen doch kontinuierlich – im mathematischen Sinne sogar stetig – ‚durchzoombar‘ sind. [41] 

Anhand der beiden Abbildungen möchte ich Sie, lieber Leser, durch genau dieselben konzeptionserweiternden Schritte führen wie oben im Paradefall der Sichtbarkeiten. Doch soll die einleitende Zoomfahrt hier – der Einfachheit halber – schon von vorneherein durchgängig in nur einer einzigen Richtung verlaufen: von ‚kognitiv oben‘ nach ‚unten‘ (↓).

Die „Sprünge“ zwischen den Auflösungs-Schichten zu diesem immer selben „Objekt“ werden ähnlich groß und abrupt sein und die angetroffenen „Ansichten“ dazu ebenso verschieden (und auf den ersten Blick unvereinbar) wie schon der „Planet Erde“ uns im Atlas erscheint. Bei Karten unterschiedlichen Maßstabes also oder wenn man im Zuge des ZehnHoch-Szenarios immer nur bei Erreichung der nächsten Zehnerpotenz der Maßskala auf den Auslöser drückt. Die gleiche Art des Durchschreitens in Siebenmeilenstiefeln also wie oben im Paradefall der Sichtbarkeiten der WELT. [42]

Abbildung 11: Die ‚Auflösungsgrade zum Kognitiven Prozess‘ – in der ‚Seitenansicht‘

Abbildung 12: Dieselben wie in Abb. 11 – in der ‚Draufsicht‘
(+ {anklickbar} die Draufsicht in einer Zweit-Version)

5.1  Schicht 1: Das über die WELT überhaupt Wissbare

Unsere WELT, so mutmaßt die Naturwissenschaft heute, kam in einem für sie einmaligen Ereignis in die Existenz: über den „Urknall“. Seither hat sie sich „nur noch entfaltet“ und dabei ihre „Weltausschnitte“ bzw. „Objekte“ kontinuierlich in alle möglichen Richtungen hinein ausdifferenziert. Dabei hat sie die große Masse unter den heute in ihr vorhandenen, dem Denken damit verfügbaren Wissbarkeiten erst geschaffen. Und das in all deren natürlicher Komplexität. (Abbildung 13)

Abbildung 13: Die gesamte Materielle Welt längs der Zeitachse unifiziert

Später erst, aber immer noch im selben Prozessablauf, erschien „Sekunden vor Zwölf“ der Homo Sapiens auf der Bildfläche: Das erste Wesen, das überhaupt dazu in der Lage war, über dieses Geschehen – in zeitlicher und kognitiver Schichtung – nachzudenken. Ein Wesen mit der Fähigkeit, der WELT und ihren Gesetzen und den bisherigen „Produkten“ dieses Geschehens bis zu einem gewissem Grade nachzuspüren, ja sogar manch mehr oder weniger zutreffende Spekulation über die Zukunft anzustellen. (= Die oberste Schicht in der Abbildung 11; der allerweiteste Rahmen in der Abbildung 12)

An der vordersten Front dieser Entwicklung, dem Geschehen im Moment des „Jetzt“ – und nur aus dieser wandernden Front her – quellen ständig zusätzliche Wissbarkeiten in die WELT hinein. Von Anfang an passierte das ohne auch nur eine Millisekunde an Unterbrechung. Insbesondere trifft das auch für die Menge der „Ereignisse“ eines jeden neuen Moments zu; und damit – ausnahmslos – auch für die jeweiligen „Nachrichten des Tages“, diesem relativ eigenständigen Wissensgebiet. Ebenso trifft es zu für alles, was jemals irgendein Wesen auf Erden gewollt, getan, geschafft oder erlebt hat. Es trifft sogar für all dasjenige zu, was jemals irgendein Mensch in irgendeinem Augenblick seines Lebens gedacht hat oder was er momentan gerade denken oder behaupten mag und was er fühlt.

(Den geneigten Leser in genau dieser Sekunde seines eigenen Jetzt natürlich mit eingeschlossen).

All dieses gigantische, heterogene Material – seit Urzeiten Gegebenes, vor langem bereits Entstandenes und vielleicht schon längst wieder Vergangenes und alles, was im Moment gerade erst entsteht  – besitzt die Gemeinsamkeit, ‚wissbar‘ im Sinne der Fußnote 5 zu sein.

Das Unifizierungsziel des »Unterfangens Weltpuzzle« bedeutet unter den obigen Maximalforderungen:

·      Die abbildungsseits vollständige Abdeckung der Vereinigungsmenge all dieser Wissbarkeiten

·      Der freie kognitive Zugang zu jedwedem ‚Weltausschnitt‘ – und dies aus ein und demselben Schema heraus, unabhängig vom konkret eingeschlagenen Suchansatz und Navigationspfad und den vor Ort anzutreffenden konkreten Wissbarkeiten und Sachverhalten

·      Die Abwesenheit jeglicher Art von Verzerrung bei der Darstellung der Beziehungen zwischen all diesen Wissbarkeiten.

Diesen Idealzustand haben wir bei Weitem noch nicht erreicht, weder beim Wissen über die Sichtbarkeiten der WELT, noch über die uns ebenso vertraute ‚Materielle Welt’, noch in demjenigen Teilbereich, den wir als den »Kognitiven Prozess« bezeichnen. Und schon gar nicht über die WELT gleich als dem Großen Ganzem, was sie ja ist. Statt nur über ‚isolierte Weltausschnitte’.

5.2  Schicht 2: Das von der Menschheit bisher angehäufte Wissen

Das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt – etwa dem Jahre -1000 oder +2000 – von der Menschheit aus dem »Original WELT« heraus bereits erworbene Wissen könnte man in all seinen Einzelbeiträgen jeweils „in einen gemeinsamen Topf“ werfen – also es ebenfalls als Vereinigungsmenge betrachten. „Menschliches Wissen“ ist jedoch immer nur eine – kärgliche – Teilmenge der in Schicht 1 tatsächlich vorhandenen Wissbarkeiten. Selbst die beste Enzyklopädie ist nichts als ein mageres – alphabetisch-wirres – Abbild der WELT. Die einzelnen im Lauf der Kulturgeschichte erreichten Zwischenzustände an „Stand der Kenntnis und Erkenntnis“ sind mit dem nächst-kleineren Rahmen der Abbildung 12 gemeint.

Weil aber jede Einzeldisziplin unter den Wissenschaften in jedem Zeitalter ihren eigenen Grad an Richtigkeit, Vollständigkeit, Fragen und Restzweifeln hat, habe ich das kegelförmige Symbol, das dieses Wissen repräsentieren soll, in Abbildung 11 gleich mehrfach eingezeichnet. Um anzudeuten, dass es in Wirklichkeit eine ganzes Feld solcher Zustände gibt – frühere, jetzige und künftige. Und das in allen Sparten, auf unterschiedlichen Kegelflanken der Puzzlelösung angesiedelt.

Eines dieser Symbole könnte sogar für den jeweiligen Stand der Evolution stehen. Die ‚Evolution’ – wie unser ‚Denken’ ein Wissen gewinnender Prozess – hat in der WELT ihre eigenen Portionen an Wissbarkeit aufgelesen (und diese dabei in Hardware aus Fleisch und Blut umgegossen bzw. sie in genetischen Code umtransformiert und so Ihr Wissen auf Dauer gespeichert). Und das alles lange bevor irgendein Mensch auch nur den ersten flüchtigen Blick auf genau dieselben Wissbarkeiten warf. Eines der Symbole könnte so für das Auge stehen, ein anderes für das biologische Immunsystem, das ‚Viren’ ja bereits „verstand“, lange bevor der Mensch diese überhaupt als Objekte erstmals bemerkte und – noch später – als ihm dieselben Phänomene in der aufkommenden Computertechnologie wiederbegegneten. In beiden Fällen, Evolution und menschlichem Denkvermögen, ist das Konzept vom „zunehmenden Stand“ des  – vom »Original WELT« her erst einmal „abzukupfernden“ – Wissens demnach gleichermaßen legitim.

5.3  Schicht 3: Der Wissenshorizont des Individuums

Von all dem Wissen seiner Zeit bekommt der Einzelne immer nur einen geringen Ausschnitt mit – selbst bei bestem Bemühen um universelle Bildung. Sein persönliches Weltbild, wie es sich durch eigene Wahrnehmung, Unterricht, Spezialisierung, praktische Erfahrung in Versuch und Irrtum und durch allerlei Zuhören und Vergessen entwickelt, wird – notwendigerweise – noch weniger mit dem »Original WELT« übereinstimmen als das zu diesem Zeitpunkt ‚Beste an kollektivem Wissen’. Der Anteil an ungesicherten Hypothesen liegt dort noch höher, als sie sowieso schon ist.

Abbildung 11 mit den Unterkegelsymbolen auf Schicht 3 will die Mannigfaltigkeit der Lebewesen darstellen, die – weitgehend unabhängig voneinander – denken, dachten oder jemals denken werden. Die Symbole stehen aber auch für all die anderen Formen, in denen der Kognitive Prozess sonst noch ablaufen kann – in Computerabwicklung etwa, aller Art und Leistungsfähigkeit, in Robotern und selbst in „Geistern“  und „Aliens“, die irgendwie mit der WELT zurecht kommen wollen. Das »Original WELT« mit all seinen Wissbarkeiten ist für Alle dasselbe.

Abbildung 12 dagegen hält sich weiter an das Paradigma der einzelnen kognitiven Zoomfahrt und an ihren vom jeweils gewählten Startpunkt her routenspezifischen Zoomkanal. Und das ist pro Individuum und pro dessen wechselndem Denkmoment jeweils ein ganz anderer. Wie im ‚ZehnHoch-Szenario’ die unterschiedlichen Gegenden der sichtbaren Welt (und der Perspektiven auf diese in all ihren Auflösungsgraden) lassen sich hier mit dem Zoomkanal die einzelnen Vorkommen und Ausprägungsformen des »Kognitiven Prozesses« „abklappern“.[43] 

{N. B.: Die fetten Punkte aus der Abbildung 11 erscheinen in der Abbildung 12 als Überschriften des jeweiligen Schachtelungsrahmens.}

5.4    Schicht 4: Ein ‚Weltausschnitt‘ aktuell im Fokus – Das Thema des momentanen Interesses

Themen im eigenen Kopf sind eine unstete Sache. Der momentane Gegenstand einer Plauderei mag als Sachthema zwar langlebig, sogar universell sein, doch wechseln im Denkleben die Interessen und Streitfragen meist in kurzen Abständen, oft sogar sekündlich. Und damit natürlich auch die gedanklich angesteuerten Weltausschnitte, die gewählten Perspektiven und die gerade eingestellten Auflösungsgrade – mitsamt dem spezifischem Aussehen der jeweiligen Inhalte in dem uns selbst angeborenen »Kognitiven Guckloch«.

In normaler Aufmerksamkeit ebenso wie im Traum, im Hörsaal ebenso wie während einer Projektsitzung, im Theater, beim Rundgang durch eine Kunstgalerie oder im Konzert, vor den Hausaufgaben ebenso wie bei der Korrektur irgendeiner Planungspanne oder eines Programmfehlers, beim Zappen am Fernseher und dort beim Miterleben der Bildschnitte eines ganz bestimmten Kanals, aber auch wenn zu einem Wortspiel gerade der Groschen fällt, – in jedem Moment konzentriert sich das Bewusstsein auf diejenigen Weltausschnitte, die (vielleicht) zu dieser Situation und den ‚Behauptungen’ in ihr passen. Das sind Weltausschnitte, die nur in solchen Momenten – genau so – ins Scheinwerferlicht unserer Aufmerksamkeit geraten, ähnlich wie auf der Theaterbühne der Lichtkegel des ‚Verfolger-Scheinwerfers’ immer nur einzelne Bereiche des Ganzen ausleuchtet und den – ebenfalls und genauso gut existierenden – Rest der Dinge momentan im Dunkeln belässt. Und zwar egal, wer dabei gerade den oder die Scheinwerfer steuert: Man selbst in Eigenregie, irgendein Redner am Pult, ein Gesprächspartner oder Gegner im Konflikt, ein gerade eingeschaltetes Fernseh-Programm, ein bestimmtes Weltbild, eine vertraute Methodik, das eigene Unterbewusstsein oder gar „bewusstseinserweiternde“ Drogen.

Bevor irgendein ‚Thema’, ein konkreter ‚Zusammenhang’ oder ein bestimmtes ‚Detail’ derart in den Vordergrund geraten kann und Behauptungen dazu überhaupt verstanden werden können, muss sein Weltausschnitt – notwendigerweise – im Gemischtwarenladen des Gehirns erst einmal vorkommen und dort schon einiges an dazu Wissbarem – irgendwie – untergebracht und wiederauffindbar sein. Im Kindesalter und Lernleben hat jedes spezielle Wissensgebiet (Geographie, Kinematik, Paradigmenlehre, Mathematik, Stereotypen, menschliche Klischees, ...) vielleicht Stunden, Tage, Monate, manchmal gar Jahre des Studiums oder mehr oder weniger spielerisch „zoomender und schwenkender Systemanalyse“ erfordert, bevor das Wissensgebiet für eine erfolgreiche kognitive Navigation vertraut genug ist. Bevor es – oft erst viel später – relativ sicher genutzt werden kann, in Situationen, wo genau diese Wissbarkeiten einmal kurzfristig benötigt werden.

Die Bühne der WELT in all ihren Dimensionen und Perspektiven kann entsprechend in unzählbare Abschnitte und Teilansichten aufgeteilt werden, d. h. in einzelne Abteilungen oder Planquadrate (“domains”) und Diskursräume („universes of discourse“), die sich gegenseitig mehr oder weniger überlappen, von denen aber jedes Ding für sich auch getrennt ausgeleuchtet und durchzoomt werden kann. Die Streubreite der Themen und Ansichten, die einem auf wissenschaftlichen oder sonstigen Konferenzen begegnet, ist ein – originalseitiger – Beleg für diese Mannigfaltigkeit der Dinge.

– [\Die vier separaten ‚Richtigkeitsinstanzen‘ der »Abbildtheorie«; \...]

Dass sich dasjenige, was zu einer bestimmten Disziplin an Wissbarkeiten überhaupt vorfindbar ist, und das, was man von dort aus über die WELT alles behaupten kann, in höchst unterschiedlichen Diskursräumen und oft gegensätzlichen Klassifikationsschemata ordnen lässt – oft sogar unter Außer-Acht-Lassung des großräumig durchzoombaren Zusammen­hangs im Ganzen –, ist eine zwangsläufige Folge des Überflusses an Perspektiven und Freiheitsgraden für die Darstellung. (Abbildung 14)

Abbildung 14: Eine „Ordnung der Dinge“ wird erst abbildungsseits gemacht bzw. ausgewählt

5.5  Schicht 5: Die ‚Denklinie im Raum‘ + Alternativrouten im »Raum der Wissbarkeiten«

Kaum jemals wird ein Thema, das derart ins Blickfeld gerät, danach erschöpfend abgehandelt. In der Hitze einer Debatte gleich das gesamt breitbandige Sach- und Kontextwissen zu allen relevanten Fakten loszuwerden – im Umfang ähnlich den Ergebnissen zu einer Anfrage an eine allumfassende Datenbank – ist weder machbar noch im Moment erwünscht. Mit einigen wenigen blitzartigen Andeutungen muss man da normalerweise auskommen – jede der Anleuchtungen möglichst schon „auf den Punkt gebracht“. So geraten ständig neue Denkposten – aus unterschiedlichen Wissensbereichen, Perspektiven und Auflösungsgraden – ins ‚Guckloch‘ hinein und verschwinden dort nach kurzer Dauer wieder, ohne dass dabei das Problem oder Streitobjekt jemals – so wie es in Schicht 4 idealisiert wird – nach innen zu und samt seiner vollen sachlichen Umgebung ausgeleuchtet würde. Sobald sie miteinander verbunden werden, bilden solch punktuelle Anleuchtungen in ihrem Nacheinander eine Art »Linie im Diskursraum«. Die Abfolge der Argumente, der Plot einer bestimmten Geschichte, das Drehbuch zu einer Aktivität, Vorschriften für das richtige Vorgehen bei der Lösung eines bestimmten Aufgabentyps ...  sie alle winden sich – wie ein Roter Faden – von einer Stelle im »Kognitiven Raum« zur nächsten. Dabei schreiten sie mal in Trippelschritten fort oder treten gar auf der Stelle, mal veranstalten sie riesige Sprünge, akrobatisch zwischen den Schichten der Abstraktion hin und her turnend. Selbst dort, wo das Denken wenig geplant abläuft sondern sich spontan aufgrund zufälliger Gelegenheiten weiterstrickt oder wenn es über irgendwelche eigenen oder fremden Schwächen und Fehler hinweggesteuert wird, hinterlässt es im Raum immer so eine Linie: ein „Ariadnefaden“, eine nachträglich analysierbare „Denkspur im Sand“.

Ähnlich punktuell und unvollständig verläuft das Umschauen schon beim klassischen Wandern und Reisen – mit oder ohne Siebenmeilenstiefel. In der durchschrittenen Landschaft muss es ja nicht immer gleich – bergsteigend oder herumzoomend – ständig nach oben und nach unten gehen wie in Abbildung 4. Mal wird hierhin gelaufen, mal unterwegs dorthin abgezweigt, mal brav auf gebahnten Wegen bleibend, mal mutig querfeldein, manchmal im Kreise herum oder auf irgendwelchen Irrwegen nach seinem „Ziel“ suchend. Mal wird bei bestimmten Attraktionen oder Symbolen angehalten, mal gönnt man sich selbst oder den Begleitern woanders ein Päuschen, schaut im Gehen oder von besonderen Aussichtspunkten aus irgendwohin in der Gegend herum, mal in die Nähe, vielleicht direkt auf den eigenen Fuß mit seinen Blasen, mal in die weiteste Ferne ein und derselben „Wissenslandschaft“. Wenn nicht gar –nachts etwa – bis in die Tiefen des Alls. Und man lässt dabei dennoch das meiste der tatsächlich vorhandenen Sichtbarkeiten bzw. der lokalen und globalen Wissbarkeiten aus.

Die Abbildung 15 soll eine derartige Denklinie visualisieren. Die in dem Beispiel angedeutete Sequenz (wie immer aus einer im Nachhinein „weisen“ und damit sicheren Entfernung heraus betrachtet) beschreibt mehrere Monate an Überlegungen im Zuge eines gewaltigen Planungs- und Forschungsprojekts. Die Zeichnung zeigt, extrem vereinfacht, einen Typ des Vorgehens, der unter Systemanalytikern „Top-down-Ansatz“ genannt wird. Entsprechend durchläuft der Ariadnefaden hier Meilensteine und Wahrzeichen auf Schichten mit schrittweise zunehmender Konkretheit wie etwa:  „Art des zu erfüllenden Auftrags“; „fachgebietsspezifische Prinzipien“; „Kontext der späteren Operation als Ergebnis“; „Durchführung von unterwegs anfallenden Arbeitspaketen und Detailentwicklungen“; „die dazu erforderlichen Einzelschritte, gemessen in Manntagen, -stunden oder -sekunden“– mit einem gewissen Maß an iterativer, auch irrtümlicher Umkreisung der insgesamt gesuchten LÖSUNG oder eines ihrer besonders „haarigen“ Teilprobleme. Andere, möglicherweise billigere Wege oder eleganter zum Ziel führende Ansätze wären – „ebenfalls reisend“ – möglich.[44]  [45]

Abbildung 15: Im ‚Kognitiven Raum‘ ist reichlich Platz vorhanden,
um darin Herumzureisen und Herumzuspringen

5.5.1  Arbeitskonzept: Der »Kognitive Lebensfilm« des Individuums

Offensichtlich erstreckt sich bei jedem menschlichen Wesen der Bewusstseinsstrom mehr in die Länge als in die Breite. Dem Geschehen des “Theaters im Kopf” ließe sich in jedem Augenblick auch nachspüren – beliebig weit in seine Details hinein zoomend. Was auf dessen Bühne passiert, ließe sich damit – zumindest theoretisch – „als Ganzes auf Band aufzeichnen“. Insgesamt entstünde dabei für jedes menschliche Wesen eine Art von lebenslangem Filmstreifen, den es selbst von seiner Geburt bis zu seinem Tode mit Inhalten „beschreibt und weiterstrickt“ – ohne auch nur die geringste Unterbrechung. Jede Passage auf diesem Film würde, egal welche man herausschneidet, die Denklinie zu genau demjenigen Augenblick widerspiegeln, den der betreffende Mensch zum Zeitpunkt der Aufnahme szenen- und sequenzmäßig durchlebt hat. Jedes Stückchen daraus wäre anders als alle anderen, denn auch beim Stricken am kognitiven Lebensfilm „steigt man nicht zweimal in denselben Fluss“. Mal nur wahrnehmend, fürchtend oder genießend, mal hochkonzentriert oder brütend, mal allein auf sich gestellt, mal in Teamarbeit oder in irgendein Palaver verstrickt, mal am Lenkrad oder irgendeinem anderen Steuerpult sitzend, mal hellwach, mal wirr träumend. Selbst der Tiefschlaf, sogar ein Koma wären, Sekunde für Sekunde, noch auf diesem Filmstreifen drauf – diesmal als Serie (fast) unbelichtet gebliebener Einzelbilder. (Abbildung 16)

Abbildung 16: Denken passiert in höchst unterschiedlichen momentanen Szenarien

So ein Film wäre – seinem Charakter nach einem Logbuch ähnlich – ein objektives Dokument des tatsächlichen Geschehens. Beispielsweise wäre all dasjenige, was jemand zwar grundsätzlich weiß, was ihm im kritischen Augenblick aber partout nicht einfallen wollte, in der Sequenz zum entsprechenden Moment gar nicht erst mit enthalten.

Anhand dieser Art von Aufzeichnung wäre leicht den Unterschieden nachzuspüren, ob eine Szene direkt erlebt wird oder ob dabei nur eine – als Erinnerung schon andersartige – eigene Aufzeichnung abgespult wird: Als Szenengeschehen bereits viel früher passiert und originalseits meist ganz woanders aufgenommen, „im Bild“ jedoch jederzeit und überall weitere Male präsentierbar, wobei jeder Moment eines solchen nachträglichen Anschauens oder Erinnerns samt allen dann anfallenden eigenen Kommentaren, Ergänzungen, Korrekturen ebenfalls aufgezeichnet würde. Das aber passiert zeitlich ganz woanders im eigenen Lebensfilm – oder in demjenigen der fremden Zuschauer.[46]

Die Einzelbilder dieses Films in ihrem lokalen Nacheinander spiegeln exakt den momentanen Navigationskurs innerhalb des »Raums der Wissbarkeiten« wieder. Der Kognitive Prozess wird damit durchzoombar – bis hinunter zur lupenmäßigen Auflösung seines Geschehens. Das Konzept der Aufzeichnung des Bewusstseinsstroms auf Film jedoch ist – wiederum – „universell“. Es kann auf jedwede kognitive Situation angesetzt werden, egal wie ausgefallen oder alltäglich diese auch sein mag, egal wie global oder einseitig in Thema oder Sichtweise, egal wie „korrekt“ oder „abnorm“ sie vom betreffenden Individuum gerade gehandhabt wird.[47] Vom entsprechenden Szenario für „Geister“, „Aliens“ und „Götter“ als ebenfalls Denkende, Planende und Handelnde gar nicht erst zu reden.

Mit Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ gilt: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“

Anhand des Konzepts der Denklinie lässt sich der »Kognitive Prozess« demnach in einer nächstfeineren Auflösungsstufe betrachten, in einer Art von Lupenbild des vollen lokalen Geschehens. Sein Grundansatz ist anwendbar auf jedwede Denksituation dieser Welt, egal wie biologisch oder technisch sie auch abgewickelt werden mag, egal wie „normal“, „extrem“ oder "defekt" im Umgang mit ihr.

5.5.2 Arbeitskonzept: Das »Kognitive Archiv der Menschheit«

In Überschlagsrechnung: Die Menge an derartigen Gedankenmomenten, die jemals ein Mensch erlebt und erzeugt hat (und die dabei zur Entstehung der Schicht 2 beitrug), mag zwar riesig sein, trotzdem bleibt deren Gesamtzahl endlich. Seit dem Auftauchen der Spezies Mensch mögen ungefähr 10 Milliarden Individuen gelebt – und gedacht – haben. Deren mittlere Lebenszeit großzügig auf 70 Jahre angesetzt, ergibt das insgesamt 2 x 1019 Denksekunden. Diesen gesammelten Inhalt an “Sekunden kognitiven Films” kann man sich – wo wir schon einmal bei der Erweiterung unseres Diskursraums sind – auch in einem einzigen gemeinsamen Archiv vereint vorstellen: Dem »Kognitiven Archiv der Menschheit«. Stündlich kämen 2 x 1013 neue Einträge zu dieser Dokumentation hinzu – einschließlich der ebenso grob gerechnet 100 Stück pro Minute von Ihnen, dem Leser.

Als Arbeitskonzept mag das, selbst wenn es auf die WELT im Original hinunter schaut, auf den ersten Blick seltsam scheinen, doch von Trivialität ist es weit entfernt. Und das in mehr als einer Hinsicht:

Über das Material in diesem Archiv hinaus gäbe es nichts Weiteres; es gibt in der WELT keine Gedanken jenseits dessen, was dort schon dokumentiert ist. Wiederum wäre per bloß abbildungsseitiger Abstraktion ein einziges Wissensobjekt und „Tortenstück“ für die weitere Analyse und Unifizierungsbemühungen gewonnen. Die „Denkeindrücke“, die auf der Welt jemals ein Menschen hatte (oder irgendein sonstiger „Kognitiver Apparat“), wären damit als Menge komplett. Obwohl diese Eindrücke nicht das Original der Dinge darstellen sondern nur klägliche Spiegelungen sind. Oder gar eigene Erfindung des Moments!

Nichts, aber auch gar nichts vom einmal Gedachten könnte diesem Archiv jemals entgehen – oder nachträglich daraus verschwinden. Egal für welche Art von Forschung oder Anwendung (nicht nur zum Thema »Kognitiver Prozess«!) hätten wir damit schon das Maximum des aus der Vergangenheit her überhaupt verfügbaren Materials beisammen. Für ein Rückspulen geeignet, alles unter einem gemeinsamen Hut versammelt, hinreichend ins Detail aufgelöst – und dennoch endlich als Menge!

Jedes Individuum der Weltgeschichte, egal ob kognitiv Schlucker und Kraucher, egal ob Laie oder Künstler, egal aus welchem Kulturkreis stammend und welchem Weltbild verbunden, wäre in diesem Archiv und in dieser „Chronologie des menschlichen Denkens“ gleichermaßen vertreten. Doch jeder nur ein einziges Mal. Selbst die vielseitigste Koryphäe, das größte Universalgenie würde, trotz vielleicht immenser „Verdienste um die Kultur“, in diesem Index unter keinem zweiten Filmeintrag vorkommen (Pseudonyme hin oder her). Erfundene Wesen dagegen, egal was und wie viel an Behauptungen über diese jemals kolportiert wird und wie viel an beeindruckenden Aussprüchen ihnen unterstellt wird und wie oft das dann später kopiert oder zitiert wird, fehlen in diesem Archiv gänzlich.

Charaktere wie Hamlet und Spitzendenker wie Mephisto oder Dr. Faustus sucht man dort vergeblich – zumindest nicht mit eigenem Filmstreifen. Sie alle erscheinen nur indirekt – als bloße Produkte aus entsprechenden Passagen der Lebensfilme ihrer jeweiligen Autoren. Und später dann, vieltausendfach vielleicht, irgendwo in den Streifen individueller Theaterbesucher oder Leser oder all der Kritiker und Nachahmer, die gerade über ihren Rezensionen bzw. abänderbaren Behauptungen brüten.[48]; [49]

5.6  Schicht 6:  Der ‚Kern’ an Aktivitäten im »Kognitiven Prozess«

Zoomt man zur nächsten Schicht hinunter, begegnet man charakteristischen Zeiten, die noch einmal deutlich kürzer sind als bereits beim Denkliniengeschehen.

Ein Kinofilm etwa würde in dieser Auflösung schon als die Kette separater Augenblicksbilder erscheinen. Als etwas also, was er tatsächlich ja auch ist. Der lebenslange Fluss des Bewusstseins lässt sich – in der Vorstellung von außen zumindest – auf ähnlich künstliche Weise zerhacken. Auch im Bewusstsein gibt es so etwas wie den „Augenblick“, mit separierten Einzelmomenten. Am Geschehen auf der Weltbühne selbst und bei den Umständen, die – originalseits – das Entstehen der einzelnen Bildpassagen bestimmen, ändert das nicht das Geringste.[50]

Filmmaterial, egal ob visuell oder kognitiv, das auf diese Weise aufgezeichnet ist, bietet der Systemanalyse den Vorteil, dass sich das Geschehen zusätzlich durch den „Vergleich von Standbildern“ analysieren lässt. Hunderttausende von Einzelbildern etwa zum tatsächlichen Streifen in Abbildung 15.

Insbesondere könnte man, lange nachdem alles vorbei ist, in aller Ruhe analysieren, wie die einzelnen Eindrücke tatsächlich entstanden sind und wie und warum im Einzelnen sie gerade so aufeinander folgten. Mit vernachlässigbarem Verlust an Information ließe sich auf diese Weise analysieren, wie der ansonsten so unfassbare »Kognitive Prozess« konkret vor sich geht, und warum in seinen feinsten Details jeweils gerade so.

An der vordersten Front, dort wo die Denklinie im von selbst fortschreitenden „Jetzt“ als Serie von Zeitscheiben weitergestrickt wird, entscheidet sich in jedem Augenblick, wie die Route der betreffenden Linie weiterverlaufen wird. Wohin im »Kognitiven Raum« also es bei ihr als Nächstes gehen wird. An dieser Front herrscht – per ‚Platsch‘-Verarbeitung [51] – ein ständiger Kampf zwischen den Einflussfaktoren um die Kontrolle: ein riesiges Gezerre im „kognitiven Guckloch“ um das Zentrum der Aufmerksamkeit. [52]  

Abbildung 17 stellt einen Schnitt quer zu so einer (egal ob menschlichen oder technisch erzeugten) Denklinie dar, und zwar genau in ihrem Frontabschnitt, an derjenigen Stelle also, an der „das Denken“ tatsächlich passiert.

Abbildung 17: Das ‚Nadelöhr des Denkens‘

Vom gigantischen Strom des Bewusstseins, der sich – ständig und irgendwie – durch die einzelnen Szenen des ‚Kognitiven Raums‘ hindurch schlängelt, habe ich als Standbilder jedoch nur die letzten drei Eindrücke eingezeichnet, so wie diese dem aktuellen Moment vorausgegangen sind.[53]

Wie bei einem Film in extremer Zeitlupe stellt sich die Frage: Was wird als Nächstes ins Bild hinein geraten? Werden die Dinge, die die Mattscheibe des ‚Kognitiven Gucklochs‘ im immer weiter fortschreitenden Jetzt zeigen wird, genauso ausschauen wie die bisherigen – aufgefrischt nur oder durch irgend­einen eigenen Impuls langsam woandershin geführt, wie bei ruhiger Kamerafahrt oder einem „Verfolger-Schwenk“? Oder bekommt – aus heiterem Himmel – irgendein ganz anderer Weltausschnitt plötzlich die Oberherrschaft? In komplettem Szenenwechsel, wie nach einem „Bildschnitt“. Und warum ist gerade dieser ‚Weltausschnitt‘ dann so (ein)dringlich – und das in gerade diesem Auflösungsgrad – und nicht irgendein anderer aus dem riesigen Vorrat? [54]

Zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte und bei ausnahmslos jedem Individuums müssen die Denkfäden durch dieses »Nadelöhr der Kognition« hindurch. Dieser biologisch-technische Flaschenhals gilt bei entspanntem Träumen ebenso wie in Momenten äußerster Konzentration.[55]. Kein Mensch ist dazu in der Lage, auch nur für die Dauer eines einzigen Augenblicks sein gesamtes Wissen gleichzeitig zu aktivieren. Niemals kann er sich seine Erinnerungen, sein angelerntes Fachwissen und seine persönlichen Erfahrungen „alle auf einmal“ zu Bewusstsein bringen, nie dort all deren unterschiedliche Aspekte und Auflösungsschalen simultan parat halten oder gar studieren. Wie beim Computer, kommt das Geschehen an der Front des Denkens auch beim Menschen nicht ohne ein hohes Maß an sequentieller Zergliederung aus. [56]

Perspektivwechsel in kurzen Abständen sind – hier wie dort – in der menschlichen Form des »Kognitiven Prozesses« eine zwingendes Merkmal. (Nicht jedoch bei der Evolution als ebenfalls Wissen gewinnendem, dafür aber nicht zu so etwas wie ‚eigenem Nachdenken’ und ‚zielorientierter Leistung’ befähigten Prozess).

Trotz gewisser Leistungen in Parallelverarbeitung, hängt die Qualität des Wahrnehmens, Denkens und Problemlösens – bei Mensch und Computer gleichermaßen – hauptsächlich von dessen Fähigkeit ab, die unterwegs angetroffenen Komplexitäten als solche zu „knacken“ und sie in für das eigene Guckloch handhabbare Einzelportionen zu zerlegen. Erst diese lassen sich dort nacheinander abarbeiten.[57] 

5.7  Schicht 7 : Transaktionen in der Mikroauflösung

Jede Denklinie will erst einmal produziert werden. Als fortlaufender Output – wie in einer Art “Strickliesel” – zurechtgehäkelt. (Foto). In irgendeiner konkreten Technik muss der »Kognitive Prozess« ja ausgeführt werden. Um diesen höchst praktischen Aspekt geht es auf der siebten Auflösungsebene. Die anderen Schichten waren dafür einfach noch zu früh. Denn was sich auf diesen erkennen und sagen ließ, war noch immer unabhängig von der tatsächlichen Art des Apparats zu seiner Realisierung: Gehirn, Computer und was auch immer.

Beim Herunterzoomen zu noch kürzeren Zeitintervallen fällt – speziell beim Menschen – ein besonderer Zyklus von um die 30 Hz ins Auge. Ausnahmslos allem, das sich in unserem Bewusstsein abspielt, entspricht ein nervenphy­siologisches und hormonelles Geschehen, das weit unterhalb der Bewusstseinsebene – aber parallel zu ihr – abläuft. Dabei trennt, so hat man festgestellt, beim Wahrnehmen bzw. gezielten Denken eine Grenze von ca. 30 msec die einzelnen Systemzustände voneinander. In den in der WELT dennoch vorhandenen Zwischenzeiten passiert – soweit nur Kognitives betrachtet wird – in dem Denkapparat rein gar nichts: Für das Denken selbst ist die Zwischenzeit zwischen zwei Standbildern "zeit-tote Zone". All das, was im Gehirn in noch kürzeren Zeitabständen dennoch passiert (und da passiert physiologisch ja ziemlich viel), dient einzig und allein der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit, also der Empfangsbereit­schaft unseres kognitiven Apparats für den nächsten „Zyklus“. Die spezifischen Wissbarkeiten dazu reichen in noch höhere Zeitauflösungen hinein und betreffen am Ende sogar die eingangs aufgespannte ‚Materielle Welt’ mit ihrer Auflösungs-Ebene der Moleküle, Atome und Elektronen.

Allem, aber auch allem, was ein Computer nach außen hin für uns leistet, entspricht ebenfalls eine ganz bestimmte Konstellation an Schaltvorgängen in seinem Inneren auf der die Details des Geschehens maximal auflösenden Ebene – dort geschieht dies jedoch im Tempo der Mega- oder Giga-Hertz-Zyklen des dort eingebauten Prozessors.

Die Schicht 7 befasst sich mit all den Transaktionen, ohne die eine Gedankenfront gar nicht erst entstehen könnte und nicht in Bewegung zu halten wäre – etwas, was bei Steinen, Sternen und toter Technik tatsächlich der Fall ist. Innerhalb der Feinstruktur genau dieser Auflösungsebene spielen die einzelnen Optionen für die Erzeugung, Verknüpfung, Verarbeitung und Störung der momentanen Eindrücke; in sie ordnen sich als getrennte Wissbarkeiten all die Details der insgesamt daran beteiligten Phänomene ein. Sie beschreibt die Einzelheiten jedweder Hard- und Software, die apparativ nötig ist, um so etwas wie den »Kognitiven Prozess« überhaupt zu ermöglichen: etwa das Gehirn in all seinen Zellen, Vernetzungen und Erregungszuständen, die Grundalgorithmen im Ablauf als Geschehen – und das nicht nur heute in all seinen Varianten sondern auch bei allen evolutions-historischen Vorläuferstufen dazu; entsprechend aber auch in allen Arten von »Prothesen des Denkens«, die wir uns – über den bereits vorhandenen Bestand hinaus – jemals werden bauen oder uns anschaffen können.

Sobald sie mit allem vorhandenen Wissen gefüllt und in Übereinstimmung mit der gemeinsamen Abstraktionskegelstruktur mit den restlichen Wissbarkeiten dazu ergänzt ist, kann sich das Studium dieser Schicht auch mit den Zuständigkeiten der einzelnen Gehirnlappen befassen, mit den Problemen der Arbeitsteilung zwischen diesen, den Ersetzbarkeiten ausfallender Bereiche durch andere oder mit konkreten Krankheiten des Geistes. Auch die (restlichen) Optionen und Fragen zu Computerarchitektur, Zeit- und Ressourcen-Management und jede Art von neuartigen Speichermedien, die jemals zusätzlich ins Spiel geraten werden, gehören mit dazu.

5.8  Schicht 8: Bitmuster & Co.

Irgendwann, wenn man mit diesem Herunterzoomen nur weit genug fortfährt, muss auch die mikroskopische Ansicht ins Blickfeld geraten. Die Kalium-Natrium-Pumpe der Zellen etwa, oder die Rolle bestimmter Proteine im Leben. Hier ist es nach kognitiv unten bzw. nach innen (↓) zu jedoch nicht die Biochemie an sich, das Silizium oder die Elektrizität, die gerade interessieren. Das wären bloß Wiederholungen der vorhergehenden Zoomfahrten zu den Molekülen und Atomen.

Stattdessen möchte ich in meiner Zoomfahrt in diejenige Richtung abzweigen, die zur Menge an Basisbefehlen für den Apparat und zur Menge an Signalformen führt, so wie diese an diesem Prozess beteiligt sind oder zumindest möglich wären. Wir geraten damit mitten in die Konzepte, Optionen und Streitfragen der Wissensgebiete „Mustererkennung“, „Kybernetik“ und „Informatik“ – hinein in all ihrer Fülle bis hin zu deren jeweils maximaler Auflösung.

Abbildung 12 zielte – in Übereinstimmung mit dem Konzept des Zoomkanals – zwiebelschalenmäßig auf ein ganz bestimmtes Bit (dasjenige vielleicht, nach dem wir tagelang gesucht hatten, bevor das Programm  – “zur Rettung der Welt auf Schicht 1“ – endlich fehlerfrei lief).

Abbildung 11 dagegen sollte das Wissensobjekt und fragliche „Tortenstück“ als Ganzes darstellen, diesmal also den »Kognitiven Prozess« in all seiner Höhe und Breite auflösen, bis hinunter zu Bitmustern und ähnlichem. Für Analog-Computer und ganzheitlich oder holographisch arbeitende Systeme wäre hier stattdessen an Fourier-Transformationen, Erregungsmuster, Mutationen und dergl. zu denken.[58]

5.9  Schlussfolgerungen

Wenn man sich getrennte Abbilder dessen, was in der WELT (seit kaum Millionen von Jahren erst) als »Kognitiver Prozess« vor sich geht und was dabei so alles mitspielt, für alle acht Auflösungsschalen explizit erzeugt und diese Bilder dann genauso übereinander stapelt, wie wir es im Paradefall der Satellitenfotos mit den „Landkarten“ taten, entsteht als Resultat wiederum

etwas eindeutig Kegelförmiges

 – und zwar in methodisch demselben Diskursraum wie dort.

Beide Mal haben wir ein bestimmtes momentanes „Objekt des Interesses“, das in den unterschiedlichsten Auflösungsgraden und Wissensszenen betrachtet werden kann, vor uns. In der Seitenansicht erhalten wir oberhalb der originalseits vorhandenen Wissbarkeiten immer wieder das gleiche in sich stimmige selbstähnliche Gebilde. Jeder beliebige eindeutig genug abgegrenzte Weltausschnitt kommt so abbildungsseits zu einem eindeutigen Pendant im »Kognitiven Raum«.

Jeder beliebige Weltausschnitt lässt sich in beide Richtungen zoomen (↕): nach kognitiv oben ebenso wie nach kognitiv unten. Daneben lässt sich von dem Weltausschnitt aus, der momentan gerade im Visier ist, aber auch zu beliebigen ganz anderen Ausschnitten und deren spezifischen Wissensszenen überwechseln – per bloßem Schwenken der Kamera im Raum. Also wiederum einer Operation mit unserem „Guckloch in den Kognitiven Raum“.

Insgesamt steht uns auch hier dieselbe wirkungsmäßig mächtige, doch zahlenmäßig eng begrenzte Palette an Freiheitsgraden zur Verfügung wie im Falle der Sichtbarkeiten in Kapitel 3. [59]

Zusammenfassung zu diesem Teil

Hier gelernt: In systemischer Grafik dargestellt (Abbildung 18), ergeben sich beide Mal bestimmte lokal eng begrenzte Zoomkanäle. Im einen Paradefall von einen einzelnen Atom in einer Hand einer bestimmten Person in einer Picknickszene ausgehend nach oben zu bis zum Universum als Ganzem verlaufend, hier dagegen in einer einzigen Top-down-Fahrt von der Vereinigungsmenge der Wissbarkeiten der WELT bis hinunter zu einer bestimmten Bitumschaltung bzw. inhaltlichen Aktivierung im Zuge irgend­eines Denkmoments.  

Daneben lief die Darstellung beide Mal mit Blick auf ein einziges bei der gesamten Herumzoomerei durchgehend festgehaltenes Ganzes hinaus. Und auf dessen notwendigerweise unterschiedliches Aussehen auf den einzelnen Auflösungsschichten sowie beim Wechsel der Blickwinkel. Im Paradefall der Sichtbarkeiten war dieses „Ganze“ der Weltausschnitt »Planet Erde« (bzw. „Das Universum“), hier dagegen ist es der Weltausschnitt »Kognitiver Prozess« – ein ähnlich großes Sammelsurium an diesmal völlig anders gearteten Wissbarkeiten. Ein Wissensobjekt, das offensichtlich in einem eigenen, ganz und gar nicht mehr klassisch dreidimensionalen Diskursraum drinsteckt.

Abbildung 18: Der Rote Faden dieses Essays  – parabelartig in der ‚Seitenansicht‘

Doch selbst diese so konträren Räume sollten sich, zusammen mit den Räumen für die restlichen, hier gar nicht erst angesprochenen ‚Tortenstücke’, zu einem einzigen gemeinsamen Diskursraum unifizieren lassen. Wiederum mit Hilfe der (rein im Abbildungsseitigen wirksamen) Zoomoperation und den dabei automatisch entstehenden ‚Abstraktionskegeln‘.

So zumindest lautet die These des »Unterfangens Weltpuzzle«.

In beiden Fällen – dem Paradefall der Sichtbarkeiten und seiner raumgreifenden Erweiterung in Richtung auf alle Wissbarkeiten – gelangen wir, nach der Transformation der originalseitigen Dinge ins ‚Abbildungsseitige’, zu derselben Art von (selbstähnlichem) Diskursraum. In beiden Fällen bekommen wir es mit derselben Palette an ‚Freiheitsgraden der Bewegung bzw. des Handelns‘ zu tun. Und mit derselben Art von Phänomenen, Gesetzen und Fallstricken für den Umgang mit den einzelnen spezifischen Wissbarkeiten und Puzzlesteinen. [60]

Selbst „Rote Fäden als solche“ lassen sich in dem neuen Paradigma noch grafisch darstellen:
Als Denklinien sind sie ja nur die im derart erweiterten Diskursraum – innerhalb dessen angebotsreichen Wissenslandschaften – eingeschlagenen Routen des betreffenden Gedankengangs.

Dreiteilung der Ergebnisse der Systemanalyse:

  1. Kanalartige Zoomfahrten, die etwas ganz Konkretes – zwiebelschalenmodellartig – direkt vor Ort ansteuern (bzw. sich „raumgreifend“ von ihm entfernen)
  2. Kontrollierter Wechsel des Zoom- oder Auflösungsgrades bei abgrenzungsmäßig strikt festgehaltenem Objekt-Ganzen
  3. Der Diskursraum, in dem das Alles jeweils platziert ist und passiert.

Diese drei Optionen für die ‚Darstellung der Dinge’ werden uns beim Umgang mit den restlichen „Tortenstücken des Ganzen“ und damit auf dem Wege zur »LÖSUNG des Puzzles WELT« immer wieder begegnen.

– [Grafiken: \»Abstraktionskegel« + ‚Geschachtelte Weltausschnitte‘ – in Seitenansicht + in Draufsicht; \Abbildung 2 +  \Abbildung 5; \Abbildung 12 oder Abbildung 12 – Version 2 + \Abbildung 11; \...]

---------------------------------------- Ende des 2. Satzes dieser „Symphonie“ / dieses Rondos -----------------------------------------

Reprise: Wie eigentlich fing dieses Essay im Kapitel 1 an?

»Mich beschäftigt ein uraltes Rätsel der Menschheit: Die Welt steckt offensichtlich voller »Gegebenheiten«. Als Denkobjekte sind diese Gegebenheiten ihrer Art nach höchst unterschiedlich und der Menge und den Zusammenhängen nach extrem komplex. Dennoch besteht seit Urzeiten der Verdacht, dass „Alles irgendwie mit Allem zusammenhängt“ (Parmenides).

Das führt – als Herausforderung – zu der zulässigen Frage: „Gibt es eine gemeinsame Beschreibungsweise, die am Ende Alles, was über die WELT überhaupt wissbar ist, unifiziert?“

Wenn ein solches Paradigma existiert, wie müsste es aussehen? Und auf welche Weise sollten wir daher unsere – bisher immer noch weitgehend isolierten – Wissensgebiete am besten reorganisieren

 

**********

Was alles käme – nach dem Kap. 5 bzw. „im Anhang“ – §wohl§ sonst noch dran?

Überblick über den Rest dieser (essayhaften) Systemanalyse / dieses Plädoyers:

  1. Ist das alles nur ein faszinierendes Gedankenspiel? Wie könnte das Ganze methodisch zugehen? Das LÖSUNGS-Paradigma: kompletter / ‚raumgreifender‘, ‚originalgetreuer‘ und freier von „Inneren Widersprüchen“ als die üblichen Vorstellungen und ‚Behauptungen zur WELT‘!
  2. Kann dies überhaupt funktionieren? Ja. --- Nachweislich! --- Aber mit noch mehr Schwierigkeiten, sich – wie im geo-visuellen-Fall – diese Alles auf einmal vorzustellen: als die originalseitige »Einsheit in Vielheit«, die es dann auch abbildungsseits werden muss. Mit dem Lösungskegel in einem „schlimmer als 3-dimensional“ aufzuspannenden Diskursraum drin!

Mit diesem Handicap muss die Suche nach der »LÖSUNG des Puzzle WELT« nun einmal
       leben.

  1. Die beim Zurechtpuzzeln der LÖSUNG bisher ausgeklammerten anderen, doch ebenso stark unifizierbaren „Tortenstücke“ + all deren natürliche Berührungsflächen, sei es untereinander, sei es mit den obigen beiden: als ‚Reißverschlüsse‘.

– [\Das »Pusteblumenlogo der Kognik« – erläutert]

  1. Wie sähe das Gesamtergebnis im Idealfall aus? Wie könnte dagegen ein heute schon machbarer Kompromiss aussehen? Zusammenfassende Darstellung der bisher erarbeiteten „Teil-Para­digmen“, „Tortenstücke“ und „Methoden“ in Form eines ‚Raschen Prototyps’ zum »Kognitiver Universalatlas« bzw. seiner notwendigerweise netzartigen Ordnungsstruktur. [61]

– [\Das „Rascher Prototyp“-Wesen + seine Kompromisse; \...]

Welche unter all den in der Welt überhaupt verfügbaren bzw. machbaren Abstrakta – denn diese sind es ja, die für uns die Welt erst so komplex und unübersichtlich machen – sind für genau diese restlichen „Tortenstücke“ zuständig? Und an welchen Berührungsflächen ‚verzapfen sich‘, beim Ein­puzzeln, die einzelnen die LÖSUNG insgesamt konstituierenden Tortenstücke untereinander?“ ...

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[1] Ich selbst betreibe Systemanalyse – oder nennen wir es »Kognitive Kartografie«. Keine Philosophie! Als Fachausdrücke übernehme ich daher, aus gutem Grunde, weder so klassische Schlagwörter wie "Ontologie" noch Konzepte wie „Streben nach Vollkommenheit“ oder „Teilhabe an <was auch immer>“, noch ganze Weltbilder wie etwa den „Idealismus“ und der­gleichen. Die metaphy­sische Philosophie greift mir zu kurz und in ihren Definitionen häufig daneben. Ihre Ergebnisse bleiben unnötig nebulös. Für maximale Originaltreue und Klarheit der Ergebnisse ist sie methodisch nicht ‚opera­tiona­l‘ genug. Daher muss ich in dem Unterfangen meine eigenen – eben systemanalyti­schen und kartografischen – Wege gehen. ...
– [\»Glossar zum Unterfangen«; \
zum „Ismenwesen“; \‚operational sein‘ (oder nicht) – ein abbildungsseitiges Merkmal; \Fallstrick: „Absolutheitsbehauptung“; \Das „Seiende“; \allerlei an „Philosophien“; \„Systemanalyse“ – als solche; \zur – grundsätzlichen – »Kartografierbarkeit der Wissbarkeiten der WELT«; \zur ‚Nebelwerferei im »Kognitiven Raum«‘; \...]

[2] {Die Abbildungen erscheinen im Ausdruck nur grob angedeutet. Am Bildschirm (empfohlen) lassen sie sich eigens anklicken – zwecks ausreichender Lesbarkeit im Detail. Diese Anklickbarkeit gilt auch für bereits verlinkte Text-Dateien.
--- Unter http://www.kognik.de/online/veroeffentlichungen/weltmach/index_der_abbildungen_boxen.doc gelangen Sie an einen Index, aus dem heraus sich die einzelnen Grafiken im DIN A4-Format ausdrucken lassen.  – vgl. auch Fußnote 4}

[3]  Die Anordnung der Symbole – im Bild oben oder unten, rechts oder links – hat hier, im Gegensatz zum Fall den späteren Seitenansichtsgrafiken, keine sonderliche Bedeutung. Die Abbildung will keine Rangordnung unter den ‚Wissensträgertypen‘ herstellen; die werden hier nur – dies aber gleich zu Anfang – beieinander versammelt. ...

[4] {Lesehilfe: Die meisten der Abbildungen zu diesem Essay habe ich – zur Umgehung solchen „Rückblätterns“ – zusätzlich als „Miniaturen“ zusammengefasst. Eine entsprechende Druckseite findet sich am Ende dieses Essays.}

[5] Aus Gründen der Operationalität gehe ich bei den Fachbegriffen von vorneherein vom Konzept »Wissbarkeit« aus – statt, wie in Philosophie und Informatik üblich, nur von fertigem ‚Wissen’ oder gar von bloßen ‚Behauptungen’. Eine ‚Wissbarkeit’ als Objekt und Wirkungseinheit ist unabhängig davon, ob irgendjemand sie überhaupt als solche wahrnimmt und als ‚Wissen’ im Kopf behält oder ob sich je jemand für ihr Ergebnis interessiert oder ob es technisch jemals möglich sein wird, alle zugehörigen Einzelheiten überhaupt herauszufinden. Man denke an die Relativitätstheorie, wo originalseits in der Welt alles Geschehen ja schon seit Urzeiten so ablief, wie es tatsächlich abläuft. ‚Wissbar’ war dieser Sachverhalt schon immer. Es bedurfte „nur noch“ eines Albert Einstein, um deren für uns so seltsamen Gesetzmäßigkeiten erstmals zu erkennen – und sie dann „als Wissen pur“ an uns Laien weiter zu reichen. – [\‚wissbar sein“; \allerlei an „Wissbarkeiten“; \...]
Der Begriff »Wissbarkeit« ist umfassender und daher für Unifizierungsbemühungen eher geeignet als bloß »Wissen«. Außerdem reflektiert er von vorneherein schon den hypothetischen Realismus der heutigen, doch einigermaßen erfolgreichen Wissenschaft. Jede einzelne Wissbarkeit fände damit ihren ureigenen festen Platz in der Welt. Bei allen Operationen, die wir mit dem dabei entstehenden Abbild der Welt anstellen, um zurück zu unseren üblichen Teilbildern und Augenblicks-Vorstellungen zu kommen (oder auch zu neuen Ansichten) verhält sich das Bildmaterial in diesem speziellen Paradigma wohl geordnet, wie in der Optik etwa, nach wohlverstandenen Gesetzen und mit vorhersagbarem Ergebnis. Das Gesamtabbild wäre unverzerrt in seiner Widergabe der in der WELT vorgefundenen Realität, und zwar sowohl großräumig gesehen als auch auf lokale Horizonte eingeengt. Wo überhaupt möglich, wären die weißen Flecken auf diesem einen gemeinsamen Wissensatlas schon mit konkreten Inhalten ausgefüllt. Auf der methodischen Seite wäre das damit entstehende Bild operational in allen kognitiven Lebenslagen.
Zumindest für das »Unterfangen Weltpuzzle« und die »Kognitive Optik« ist die Erweiterung des Arbeitsbegriffs "Wissen pur" zum neutraleren Konzept "Wissbarkeit" unerlässlich. Ohne dieses anfangs vielleicht sonderbare, aber doch so zwingende Konzept ließe sich das Lösungs-Paradigma der Totalunifizierung der Dinge gar nicht erst entwickeln.

[6] Nach der Erfahrung, dass wirklich gute Theorien sich am Ende sogar als “elegant” erweisen, sollte auch hier das Ergebnis womöglich „einfach“, d. h. im Kopf vergleichsweise leicht nachzuvollziehen sein.

[7] Schon die Entschuldigung mit dem Schlagwort „Weißer Fleck” ist oft pure Untertreibung. Wie könnte man – insbesondere in der Frühphase einer Erkundung – ein korrektes Bild des fraglichen Ganzen zeichnen, wenn man überhaupt erst ein paar  ‚Teile’ des da zu unifizierenden Körpers zur Ansicht bekommen hat? Egal, ob das vorhandene Wissen nun rahmenartig, puzzlesteinförmig oder sonstwie abgegrenzt ist oder ob es seinem Geltungsbereich nach vorerst wolkig bleibt. (Abbildung V) (Anmerkung: Das gesamte Ausgangsmaterial wurde irgendwann einmal, aus irgendwelchen Perspektiven heraus, irgendwie der Wirk­lichkeit abgeguckt  — egal ob im Ergebnis richtig oder falsch.)

[8] Hinweis: Die Phänomene, Merkmale, Zusammenhänge und Unterschiede, die ich im Rest dieses Kapitels betonen werde, treten in analoger Form auch beim zweiten Paradefall auf. Und später bei ausnahmslos jedem der »Abstraktionskegel« zu anderen ‚Weltausschnitten‘ bzw. „Tortenstücken des Ganzen“. Und damit generell beim – quasi-mathematischen – Umgang mit dem Wissensträgertyp »Abstraktionskegel« in seinem spezifischen Diskursraum.

Nur deswegen steige ich hier zu Anfang so tief ein – in etwas, was in unserer Zeit eigentlich längst vertraut ist!

[9] Das hier verbal und bloß in Standbildern vorgetragene Szenario wäre, um den richtigen Eindruck von den „Zusammenhängen“ zu gewinnen, zu ersetzen durch die dynamische Version des Gedankengangs: Etwa als Vorführung des Videos "ZehnHoch [Morrison, P. et al.: „ZehnHoch – Dimensionen zwischen Quarks und Galaxien“, Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg, 1987 + mittlerweile auch auf CD erschienen, als Teil von: „ZehnHoch – interaktiv“, Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg, 1999]. --- Denn Worte allein können nur einen kärglichen Eindruck von diesem Bildgeschehen und der Art der selbst über Zehnerpotenzen hinweg beteiligten immer gleichen Zoom-Phänomene und Gesetzmäßigkeiten vermitteln. 
{[2016]: \\als „Video im Web“  oder: als \„Schnittbericht“ + §Dieselbe ‚Durchzoombarkeits‘-Botschaft anders präsentiert, dafür aber über sogar 60 Zehnerpotenzen hinweg.§ --- Ähnlich: Mit dort präsentierten anderen „Zoomkanal“ (per Flash-Player) in: http://htwins.net/scale/}

{[Jahr 2005]: Jüngst auf den Markt gekommene Programm-Pakete wie „Google Earth“ und „WorldWind“  (+ künftige Konkurrenten) legen uns Einiges gemäß den hier gemeinten Idealvorstellungen „an die Fingerspitzen“. Doch decken diese der ‚Spannweite ihrer Auflösungsgrade nach‘ gerade einmal 6 der 40 bzw. 60 tatsächlichen Zehnerpotenzen ab!}

– [\zur »Kognitiven Infrastruktur der Menschheit« – \Überblicksgrafik dazu; \...]

[10] All diese Teilbilder sind dabei – schön voneinander getrennt und untereinander wohl geordnet – in unseren Gitternetzen zum Globus ‚individuell ansteuerbar‘. Und jedes von ihnen steckt kartenmäßig randvoll mit ausschließlich seinen eigenen orts-spezifischen ‚Sichtbarkeiten’ (und den aus diesen ableitbaren ‚Wissbarkeiten’).

[11] Würde man alle Wälder der Erde abholzen, um Papier daraus zu machen, und das Wasser aller Meere zur Tintenherstellung nutzen, selbst das an Ressourcen würde nicht ausreichen, um damit diese Karten tatsächlich zu zeichnen!

[12] Die einzelnen Rahmen aus der Abbildung 2 könnte man auf die gleiche Weise übereinander stapeln – mit dem äußersten dieser Rahmen ganz oben. Und dann das Ergebnis wiederum von der Seite her anschauen. Statt dem Kegel, das komplette Ganze enthaltend, erhielte man dabei aber nur eine Art von Turm, Kanal oder Windhose, das Abbild einer einzelnen – gucklochbedingt schlauchartigen – Zoomfahrt. – [vgl. Abbildung 4 – links]. Etwa die der kognitiven Reise aus dem Video „ZehnHoch“. Methodisch würde man damit jedoch nur eine Darstellungsform mit dem gleichen Mangel gewinnen, mit dem jedes derartige „Zwiebelschalenmodell“ zurechtkommen muss. Weil die Abbildung 4, im Gegensatz zur Abbildung 2, zusätzlich jede beliebige irgend denkbare andere Startposition auf der Erde mit abdeckt, ist deren Art der Darstellung die „mächtigere“ von beiden. Der »Abstraktionskegel an sich« ist demnach seinem Konkurrenten dem klassischen Sphären- oder Zwiebelschalenmodell in Funktionalität und Operationalität von Natur aus überlegen.

[13] Der Zoomoperator wirkt primär auf ‚Weltausschnitte‘. Die innerhalb von diesen mehr oder weniger zufällig enthaltenen „Objekte“, „Landschaften“, „Systeme“ oder „Geschehen“ werden in seinem Strudel einfach mitgerissen.

[14] Für die Ausrichtung von Landkarten hat man sich irgendwann darauf geeinigt, dass die „Nordpfeile“ auf dem Papier allesamt nach oben zeigen sollen. In der Menge der Seitenansichts-Grafiken zur »Kognik« sind es die „Abstraktionszoomfahrten“, die ähnlich standardmäßig nach oben weisen. „Konkretisierungszoomfahrten“ und „Detailaufschlüsselungen„ bewegen sich immerzu nach (kognitiv) unten zu. – Doch in der Festlegung ist das ebenso willkürlich, wie es dort der Fall war!

[15] Dabei rutscht einem kein einziges Objekt, das einmal in das Sucherfeld hineingeraten ist – egal ob natürlich oder derart einge­tragen –, nachträglich wieder über dessen äußeren Rand hinaus: Diese „Verlustfreiheit bei der Erfassung der Dinge“ wird sich als das für die Lösbarkeit des »Unterfangens Weltpuzzle« entscheidende Phänomen erweisen! ... Dieses Eindringen von außen her und scheinbare Verschwinden nach innen zu passiert im gleichen Maße mit allen künstlich in die Abbildung hinein gezeichneten ‚Gittergerüsten’, ‚Konturen’, ‚Figuren’ ... – egal wie sinnbefrachtet oder bedeutungslos dieses Angebot an ‚Linien’, ‚Selektions-Rahmen’ oder ‚Puzzlesteinkanten‘ auch angelegt sein mag. Und wie bedacht oder willkürlich diese innerhalb des vorhandenen Raumes selbst platziert werden.

[16] Da allein die – komplette – Einhaltung der ‚Zoomphänomene‘ darüber entscheidet, ob eine Einzelbehauptung oder eine ganze Beschreibungsweise schon konform mit der Sollstruktur »Abstraktionskegel« ist – in all den historischen Vorschlägen für die »LÖSUNG des Unterfangens Weltpuzzle« sind sie es nicht – werde ich die ‚Zoomphänomene’ an anderer Stelle noch genau abhandeln müssen. --- N. B.: Für eine möglichst eindrucksvolle eigene Wahrnehmung dieser Phänomene sollte man sich eher an die genannte Videofassung des Zehn-Hoch-Szenarios halten als an dessen bloß verbale Beschreibung oder irgendwelche Notlösungen per Standbilder.
– [\
Die (volle) ‚Palette der Zoomphänomene‘]

[17] Erstaunlicherweise besitzen wir keine unterscheidenden Worte für das ach so stark wechselnde „Aussehen“ ein und derselben Dinge: Egal ob zum bloßen Punkt überzoomt, vom Weltall aus centstück-groß erblickt, im menschlichen Maß betrachtet oder bis in allerfeinste Details aufgelöst, wir benennen das Ganze immerzu gleich: als „Die Erde“.
Analog hapert es bei der Bezeichnungsvielfalt für jeden anderen gerade gemeinten ‚Weltausschnitt‘. – (Abbildung 5)

[18] Zu dem – nicht jedermann vertrauten – Fachausdruck »Invarianz«: Meine Essays strotzen, wo es um  Behauptungen/ Puzzlesteine/ Wissensschollen/ Teilkegel oder Methoden geht, nur so von Formulierungen wie: „auch jeder andere {...}“; „{...} egal, was <...>“; „unabhängig von <...>“; „x-beliebige <...>“;  „keinerlei <...>“ und dergleichen. Jede derartige Feststellung sagt etwas zum jeweiligen Gel­tungsbereich aus und weist in dem betreffenden Wissensgebiet auf die „Abwesenheit dort angesprochener Einflüsse / Variablen“ hin. --- Letztlich ist es die Entdeckung zusätzlicher »Invarianzen«, die dem Systemanalytiker erst den Hinweis auf die von ihm bislang noch nicht genutzten Gelegenheiten zu weiter-reichender ‚Unifizierung der Dinge‘ liefert. Im ganz Kleinen ebenso wie – ‚raumgreifend‘ – im gesuchten Großen Ganzen.

– [\Prinzipgrafik: „Immer mehr an ‚Raumgreifung‘“ – in Seitenansicht + in Draufsicht; \„Der Vorschlag in Güte“; \...]

[19] Welche „Teilchen“ dabei ganz unten konkret mitspielen, ist zunächst egal. Alles, was es in der Materiellen Welt tatsächlich gibt, hat, wenn das Puzzle-Ergebnis richtig und komplett sein soll, abbildungsseits ebenfalls vorzukommen. Antimaterie etwa also ebenso wie die Materie. Und „Supersymmetrische Teilchen“, „Dunkle Materie“ und „Dunkle Energie“ werden genau so gut an ihrem jeweils ureigenen Platz ins Bild passen müssen – sofern diese wirklich existieren. Alles, was es im »Original WELT« dagegen gar nicht erst gibt und – trotz aller Behauptungen dazu – keine eigenen Wissbarkeiten hat (Phlogiston; Homunculus; ...) gehört nicht mit dazu – zumindest nicht hier an dieser Stelle.

--> Jede sich erst bildende Galaxie, jeder entstehende und vergehende Stern, jedes gerade geborene Individuum, obwohl vorher nur als „prinzipielle Möglichkeit“ vorhanden, passt ebenfalls in dieses Schema.

Um die Begrenztheit der menschlichen Sinne geht es hier nicht. Nur um Methodisches bei der Unifizierung. Die uns von der Evolution apparat-mäßig mitgegebenen Wahrnehmungs- und Denkfähigkeiten sind nun einmal nicht das Maß aller Dinge – und der irgend denkbaren Spezies. Das sind stattdessen die ‚Wissbarkeiten’, so wie sie originalseits vorhanden sind, und die dortigen prinzipiellen Machbarkeiten – unabhängig von den physisch begrenzten Möglichkeiten irgendwelcher biologischer oder technischer Apparate zu ihrer Wahrnehmung.

N. B.: Antimaterie (Positronen; Antiprotonen; ...) usw. untersuchen die Physiker sowieso mit genau denselben Gerätschaften und analysieren und beschreiben sie innerhalb derselben Diskursräume („Feldtheorien“) und mit denselben abstrahierenden darstellerischen Tricks wie die Normalmaterie.

[20] N. B.: Sie können sich dieselbe Paradezoomfahrt auch mit geschlossenen Augen vorstellen. Ohne noch an so etwas wie die sich „nach oben zu“ bewegende Rakete zu denken oder überhaupt ein physisches Vehikel zu benötigen. ...

[21]   Weitere Leistungen und Erweiterbarkeiten des Grundkonzepts: Manche unserer Aussagen über die WELT können wir sogar bis in eine mehr oder weniger ferne Zukunft hinein extrapolieren („Die Erde bleibt vorerst rund!“; Kurzfrist-Wetterprognosen; ...). Selbst Chaos-Effekte und Emergenzen werden vom »Konzept Abstraktionskegel« abbildungsseits mit abgedeckt. All diese klaglos in die Unifikation mit einbeziehbaren Wissensbereiche sind jedoch nicht Thema dieses ersten Essays. Auch die Frage, was über die bloßen ‚Sichtbarkeiten‘ hinaus schon alles an visuell gar nicht erst erfassbaren) ‚Wissbarkeiten‘ sich wie automatisch in diese Beschreibungsweise einfügt, wenn man das Trägerkonzept des Abstraktionskegels derart schrittweise erweitert (um Farbe, Zeitachse usw.), wäre in eigenständigen Essays zu behandeln. Man könnte andere ebenfalls ganz einfache Achsen zusätzlich aufspannen: insbesondere eine für die bloße Unterscheidung zwischen dem Modell stehenden Original und all dem Abbildungsseitigen dazu + eine andere für die "Art der Elementarteilchen" oder die "Ordnungszahl der Atome": allesamt Merkmale, die der Mensch – im Gegensatz zu den ganz anderen Fähigkeiten des Silber-Halogenids der Fotoplatte – ja als solche erkennen und gedanklich nutzen kann. Samt einigen anderen von ihrem Charakter her ebenso wenig visuellen Eigenschaften. Das Unifizierungsziel des Unterfangens bedeutet in anderen Worten auch: Elimination aller ‚Fremdparadigmen’ und fachspezifischen ‚Explikationen’, soweit diese irgendwie als „deus ex machina“ daher kommen. ... – [\§Box: ...§]

[22] Ein (anschaulich nicht ganz so gutes) Video mit dem Namen "ZeitHoch" befindet sich – wie das Video "ZehnHoch" – auf der oben genannten CD-ROM.

[23] anhand von „Information“, die aus dem gerade geknipsten Bild herausziehbar ist. – Oder „sonst irgendwie“! 

[24] Noch so eine Invarianz des Szenarios: Unter Wasser etwa könnten Eigenschall und Sonargerät dasjenige für die Beobachtung und Abbildung sein, was das Licht in der Luft und im Weltraum für uns derart gratis leistet. Es kommt gar nicht darauf an, womit eigentlich registriert wird. Die elektromagnetische Strahlung hat jedoch den Vorteil, dass ihre Wellen­längen sowieso schon weitgehend das benötigte breite Band an Zehnerpotenzen des Auflösungsgrads abdecken und dass der Weltraum sowie der Luftraum über der Erdoberfläche hinreichend „leer“ sind, dass die Strahlung – auf geraden Wegen zumeist – bis zu den für uns gängigen Beobachterpositionen durchdringen kann.

[25] Sollte sich die „Superstring- / M-Theorie“ als richtig erweisen, so kommen zu den bisherigen 40 kontinuierlichen Zehnerpotenzen des Zoomfahrt-Szenarios nach unten zu noch ca. 20 weitere hinzu (bis hin zur „Planck-Länge“ von 10-35 Metern). Mit einer Menge an eigens zu erforschenden Wissbarkeiten! Sollten sich die – derzeit ebenso theoretisch gemutmaßten – „Parallel-Universen“ tatsächlich als wahr erweisen, geht es mit diesem Freiheitsgrad auch nach oben zu noch sinnvoll weiter. Beides immer noch innerhalb eines einzigen der gesamten Materiellen Welt gemeinsamen »Abstraktionskegels«!

– [\zur „M-Theorie“; \„Urknall“ + Kosmologie; \Die „Welt der Materie + Energie“; \...]

[26] Strahlen-Pyramiden mit ihren jeweiligen Fluchtpunkten waren nun einmal der entscheidende Kunstgriff zur – auch da nur vorgetäuscht „richtigen“ – Darstellung und Ordnung der Dinge im vollen räumlichen Kontext.

 – [Thema: \„Perspektive“ als solche; \Bild: „Perspektive nach Albrecht Dürer“; \M. C. Escher – „Unmögliche Objekte“; \...]

[27] in den Systemischen Grafiken jeweils fett schwarz als eigenständige Position angedeutet

[28]  Wenn ich hier plötzlich auf das Wissensgebiet „Telekommunikation“ anspiele, dann deswegen, weil dort – nachträglich – alles mit allem verbindbar ist. Telefone, Computer usw. existieren offensichtlich, individuell, lokal und weltweit. Idealerweise sind sie untereinander tief vernetzt; jede „Nummer“ für sich kann – über alle Entfernungen hinweg – von überall sonstwo aus angewählt werden (ganz so wie man etwa mit „Querverweisen“ in einem Text aus beliebiger Ferne überall im Diskursraum hin gelangen kann, wie man im riesigen semantischen Netz der Dinge und Zusammenhänge alles „auf einen bloßen Klacks hin“ ansteuern kann – dort aber auch: „ganz oben“ oder „unten“). Das Stichwort „Telefon“ liefert im »Puzzle WELT« somit automatisch einen Andockpunkt für die Diskussion all der Zusammenhänge und Belange von Wissensgebieten wie „Kommunikation“, „Planung“ und „Kontrolle“, hierarchies (oder so etwas wie dem selbst schon abstraktionskegelähnlichen OSI-Modell, das die moderne Technologie mittlerweile prägt) – mitsamt all der für diese Gebiete und Szenarien jeweils spezifischen Wissbarkeiten, Perspektiven, Modell-Schichten und Methoden. Ohne dabei displaybestückte Handys und das Internet mit all seinen Webauftritten und Webseiten zu vergessen: Etwas, was sich zeitlich überhaupt erst nach Anbeginn meines eigenen Unterfangens – doch auch das alleine aus in der WELT seit Urzeiten vorhandenen Wissbarkeiten und prinzipiellen Machbarkeiten heraus – entwickelt hat. Etwas, das als Ganzes sowieso irgendwann einmal wie ein »Kognitiver Universalatlas« fungieren wird.

[29] Nur deswegen mache ich mir, bevor ich §später einmal§ zum Kern meines Themas, dem methodisch schwierigeren Teil und letztlich der »LÖSUNG des Unterfangens Weltpuzzle« übergehe, hier soviel Mühe, diesem speziellen ‚Wissensträgertyp‘ – im Zoo seiner Konkurrenten – Verständnisbrücken zu bauen.

[30] Vor 50 Jahren, als von vielen noch angezweifelt wurde, dass Satelliten überhaupt jemals ganz um die Erde herumkommen würden ohne herunterzufallen, vom Urknall-Geschehen, genetischem Code, der Systematik der Elementarteilchen, der Machbarkeit von Mikroelektronik und den Optionen der Nanotechnologie ganz zu schweigen, wäre man für so eine Be­hauptung noch als Phantast verschrien worden, von der Wissenschaft entweder als Spinner negiert oder als Ignorant an den Pranger gestellt. So schnell wandeln sich gerade in unserer Zeit uralte ‚Wissbarkeiten‘ – eine letztlich begrenzte Menge! – in konkretes „Wissen“, wird Unglaube zu gemeinsam geteilter Überzeugung.

[31] Selbst extreme Hypothesen – wie die Poincarésche Vermutung, der Weltraum habe schon in sich selbst gewisse "Löcher" – kann den ‚Abstraktionskegel‘ als den die Originalwelt abbildungsseitig unifizierenden ‚Wissensträgertyp‘ nicht entwerten. Denn das Paradigma vom »Abstraktionskegel« ist beim Unifizieren der Dinge unempfindlich gegen alle Ungewissheit, wie die WELT originalseitig tatsächlich aussieht und wie nicht. Der Grund dafür ist: Die WELT existiert nun einmal (als in sich zusammenhängendes Ganzes – so, wie sie halt ist) und damit zählt auch ihr makroskopisches und mikroskopisches "Aussehen" mit zu den Wissbarkeiten: „Wissbarkeit“ allemal im Sinne der Fußnote 5. Völlig egal dafür ist auch, ob dieses Universum sich in alle Ewigkeit ausdehnt oder irgendwann einmal wieder in sich zusammenfallen wird.

--- Die Zoombarkeit gilt primär für die Rahmungen der abbildungsseits anlegbaren ‚Weltausschnitte’, deren Inhalte – egal wie sie nach innen zu aussehen – werden von deren Phänomenen „nur mitgeschleppt“.

[32]  N. B.: Das ursprüngliche „ZehnHoch“-Szenario für die Durchzoomerei – dort als physisches Raumfahrtgeschehen präsentiert – unterscheidet noch nicht zwischen diesen beiden so grundverschiedenen Räumen und deren ebenso grundverschiedenen Typen von „Objekten“ + „Rahmen“. Ohne deren konsequente Trennung – d. h. in der Vereinfachung genau dieses Szenarios – wird man „kognitiv ganz weit oben“ und „kognitiv ganz weit unten“ noch immer in die altbekannte Metaphysische Bredouille geraten.

[33] Unterwegs in meinen Essays werden dem Leser – angesichts festgefahrener Denkweisen und des für die meisten neuartigen Paradigmas – allerlei zunächst unüberwindlich scheinende Einwände einfallen. Dann werde ich – irgendwann sollte dies der Leser aber selber tun! – zur Klärung der Zusammenhänge immer wieder auf genau dieses erste Beispiel verweisen, auf dieses so raumgreifende und doch noch relativ leicht nachvollziehbare einheitliche ‚Zoom-Szenario über mehr als 40 Zehnerpotenzen hinweg‘, auf seine Erweiterung hin zum erdweiten bzw. gleich das ganze Universum umfassenden »Abstraktionskegel der Sichtbarkeiten« – mitsamt all den dort nachträglich beliebig anlegbaren ‚Weltausschnitten‘, mitsamt den entsprechenden Kartenstapeln und all den vorgebahnten Reiserouten bzw. Möglichkeiten zur freien Navigation durch die jeweils lokale Wissenslandschaft. Wie würde das fragliche Problem dort aussehen, wo wir bereits wissen, was für ein besonderes Ding der ‚Abstraktionskegel‘ ist und wie er in diesem Fall entsteht? Wie würde derselbe Einwand in diesem Paradefall lauten? Woran eigentlich hängt oder hing dort diespäter doch noch überwundene „Unüberwindlichkeit“? Also: Wie sieht – bekanntermaßen oder zumindest wissbar – dort die Antwort zum analogen Einwand aus? Wenn ich auf gerade diesen Paradefall derart schulmeisterlich eingehe und ihn aus systemisch kleinsten Schritten heraus zu entwickeln versuchte, so geschah dies auch in der Absicht, dem interessierten Leser möglichst schnell zu dieser Selbständigkeit beim allseits fälligen ‚Abprüfen der Dinge’ bzw. beim Hinterfragen all der in der Welt über sie anzutreffenden ‚Behauptungen’ zu verhelfen. ...

[34] Vergleiche hierzu das ständige Verschwinden der Dinge im ZehnHoch-Szenario: Jedweder Ausschnittsrahmen und jedwedes dort einmal erkannte Objekt gerät im Zuge des allgemeinen Hochzoomens irgendwann „weg vom Fenster“. Und das von einem für jedes dieser Dinge genau angebbaren eigenen Zoomgrad an.

[35] Um nicht missverstanden zu werden: Der »Kognitive Universalatlas« ist zunächst nur ein theoretisches Konzept, eine Wissensstruktur, in der sich – prinzipiell – alles an Wissbarkeiten am jeweils zuständigen Ort kartografisch unterbringen lässt. Und das nur, weil in seinem Wissensträger als Diskursraum die nötigen „Koordinaten“, „Planquadrate“, „Platzhalter“ und passenden „Stützstellen in der Nähe“ zuvor bereits passend angelegt sind.

[36] Nur so kommt es dazu, dass man die sprichwörtliche Behauptung: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ zu Recht erweitern kann um den Zusatz: „Ein Abstraktionskegel sagt mehr als tausend Bilder.“

[37] Es geht mir hier nicht etwa darum, andere Beschreibungsweisen zu widerlegen oder sie gar eliminieren zu wollen. Jede Beschreibungsweise der WELT zählt selbst – mit eigenständiger Menge an Wissbarkeiten – ebenfalls zur originalseitigen WELT  (und ist – als Beschreibungsweise eben – damit von Natur aus ebenfalls abbildbar und diskutierbar). Mit dem »Wissensträgertyp Abstraktionskegel« (und der Palette der »Kognitiven Freiheitsgrade« im Umgang mit ihm) erweitere ich das infrastrukturmäßig bereits bestehende Angebot hier nur um ein zusätzliches Paradigma. Um ein – wie ich darzustellen versuche – besonders viel versprechendes, weil es schon von seiner methodischen Natur her für die Rolle einer allem gemeinsamen Urreferenz besser geeignet ist: bei Analysen von Komplexitäten etwa, beim Einordnen von Wissen und Problemen (Speicherung + Zugriff), in der Forschung, bei der Lösung von Streitfragen und Konflikten. ...

[38] Gerne hätte ich es dem Leser erspart, sich hier auf ein völlig neues Paradigma einstellen zu müssen. Egal ob in Philosophie, Wissenschaft, Ideologien oder der Planungs-Szene eines Staatswesens schwirren sowieso schon so verwirrend viele Beschreibungsweisen herum, dass jedes zusätzliche Paradigma zunächst als Zumutung empfunden wird. Doch die Invarianz-Eigenschaften – und damit seine intrinsische Unifizierungskapazität – statten das "Paradigma vom Abstraktionskegel und seinen Freiheitsgraden" mit einer solchen methodischer Überlegenheit aus, dass es sich lohnt, sich forschend und nutzend dennoch darauf einzulassen. Letztlich unifiziert dieser Wissensträgertyp – wie sich zeigen lässt – sogar all die mit ihm konkurrierenden Wissensträgertypen (vgl. Abbildung 1). Wenn das zunächst so aussichtslos scheinende All-Unifizierungs-Unterfangen überhaupt zu lösen ist, dann nur innerhalb eines völlig neuen Paradigmas. Mit einer gewissen Portion an Umdenken, im Umgang gewöhnungsbedürftig und erst eigens zu erlernen! Mit den bisherigen Paradigmen dagegen lässt sich das Puzzle aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht lösen. Angesichts jahrtausendelanger Bemühungen um ein möglichst „einfaches, komplettes und dabei allseits richtiges“ Weltbild wäre uns dies sonst schon längst gelungen. ...

[39] Der »Kognitive Raum« ist demnach weit mehr als bloß eine Metapher. Das Geflecht an Zusammenhängen und großräumigen Invarianzen sieht verflixt danach aus, als müsse es dazu eine eigene Mathematik geben – also völlig kontextunabhängige Gültigkeits- und Syntaxregeln. Dies als Thema würde – über diese Andeutungen hinaus – jedoch den Rahmen des vorliegenden Essays bei Weitem sprengen. ...

[40] Schon diese erste Einführung in die Zoombarkeit der „Dinge des Kognitiven Prozesses“ verläuft nicht mehr längs dem Grad ihrer räumlichen Auflösung, wie es im Paradefall der Sichtbarkeiten noch geschah. Der klassische Raum gäbe, weil bei diesem Wissensgebiet nur nachrangig beteiligt, dafür nicht genügend her. Hier verläuft die Zoomfahrt eher längs dem Grad der zeitlichen Auflösung, also auf einer ganz anderen unter den Flanken des »Gipfellogos der Kognik«.

(Eine gleich durchgängige kognitive Zoomfahrt und jede ähnliche Route für die Ansteuerungen im Guckloch wären jedoch ebenso gut für jedwede andere Art von „Prozess“ durchführbar. Was uns weitere Demonstrationsbeispiele und Anwendungsfälle liefern würde – und was für das Unterfangen als Ganzes einmal weitere seiner „Tortenstücke“ erledigen wird.)
– [\»Pusteblumenlogo«; \...]

[41] Jede Theorie des »Kognitiven Prozesses« sollte zumindest diese acht Ebenen umfassen, wenn sie überhaupt eine zufrieden stellende Überdeckung der an ihm beteiligten Ereignisse, Phänomene, Merkmale und Zusammenhänge liefern soll. Auch dort soll am Ende ja alles an dazu Wissbarem methodisch unter einen einzigen gemeinsamen Hut passen.

[42] Systemanalyse und Systemplanung haben, was die Richtung des Fortschreitens durch die Auflösungsschichten betrifft, ihre eigene Fachausdrücke. „Bottom up“ und „top down“ beziehen sich auf den linken Teil der Abbildung 4: Das momentan gemeinte „Ganze“ – als ‚Abstraktionskegel in der Seitenansicht‘. Sie bezeichnen dort die Optionen des ‚aufwärts’ und ‚abwärts’. Die Begriffe „outside in“ und „inside out“ dagegen beziehen sich auf den rechten Teil der Abbildung: Auf die aus dem „Ganzen“ lokal herausstanzbaren ‚Weltausschnitte‘. In der Draufsicht auf den Abstraktionskegel erscheinen diese als einander umschließende Serie von Rahmungen oder – jetzt aus der Zeichenebene herausragend – als ‚Zoomkanal nach oben‘ bzw. ‚unten‘.

--- Nichts als unterschiedliche Bezeichnungen für die Nutzung ein und desselben Freiheitsgrads – dem der Zoombarkeit!

[43] Das passiert analog zur Abfolge von Vorstellungen aus: Der „Stift hier“ – im Kontext „meiner Hand (zu genau diesem Zeitpunkt)“ – im Kontext von mir selbst als „Redner am Pult“ (und nicht irgendeines der Zuhörer) – im Kontext des „Hörsaals / ganzen Gebäudes“ – im Kontext  <der betreffenden Stadt / des Landes / des Kontinents> – im Kontext von <Erde / Sonnensystem / Galaxie> – bis zum Kontext des „Universums“ als dem eigentlichen Ganzen. Und analog zu all den Variationsmöglichkeiten bei der Wahl des Startpunkts (und der Stützstellen zwischendurch) zu so einer – immerzu durchgängigen – ‚Zoomfahrt’.

[44]  Das »Planungswesen«, in dem die Denklinien im Zuge von Maßnahmenfindung, Entwurf, Entwicklung, ..., Steuerung und Management ja ebenfalls in ‚Diskursräumen’ herumnavigieren, wo all die so unterschiedlichen Aufgabenstellungen, Zielkomponenten, Wissensgebiete, Arbeitsschritte, Kriterien und Gewichtungen irgendwie mitspielen, dient mir bei der Suche nach der »LÖSUNG des Puzzles WELT« als weiterer Test- und Paradefall. Als wiederum „ganz andersartiges Tortenstück des gesuchten Ganzen“ lässt sich der dem Planungswesen gemeinsame Diskursraum all seiner Wissbarkeiten nicht allein anhand von Raum, Zeit und Materie aufspannen – und auch nicht anhand einer derart geringen Anzahl von: „Meilensteinen“, „Wahrzeichen“ bzw. „Problemdimensionen“. Doch auch der – wie der »Weltausschnitt der Sichtbarkeiten« und der »Weltausschnitt des Kognitiven Prozesses« ebenfalls voll mit spezifischen Wissbarkeiten steckende und eben so wie diese voll durchzoombare – entsprechende Abstraktionskegel will im Zuge des »Unterfangens Weltpuzzle« erst einmal originalgetreu zusammengefügt sein. Aus Unmengen von einzelnen Puzzlesteinen wie auch sonst; als Unifizierung zu dem ebenfalls gigantischen Weltausschnitt  der (meist menschlichen) »Eingriffe in die Selbstorganisation der WELT«. Womöglich mitsamt „Einzelkarten“ zu Themen wie: „Aufbau und Ablauf“, „Strategie und Taktik“, „Kybernetik und Optimierung“, „Leittechnik und Kontrolle“, „Automation und Vernetzung“, „Aufwand und Zeitbedarf“, „Gelingen oder Fehlschlag“ und was der Schlagwörter noch mehr sind. Ohne dieses zusätzliche ‚Tortenstück’ wäre die »LÖSUNG des Puzzles WELT« nicht komplett. Da ist – zusätzlich – noch ein riesiges Arbeitspaket zu erledigen.

– [\Wortfeld zum „Planungswesen“; \Wortfeld zum »Unterfangen Weltpuzzle«; \zur „Theorie der Planung“; \Das ‚Elementarschritte‘-Paradigma des Denkens, Verwaltens, Planens, Forschens, Spekulierens, …; \...]

Mit Hilfe der ‚Strukturellen Systemanalyse’ ist jedoch auch das oft chaotische Planungswesen – als wiederum vergleichsweise gut abgrenzbares gemeinsames „Wissensobjekt und Ganzes“ – eigenständig unifizierbar. Ich werde, um dieses Essay nicht zu überfrachten, hier nicht groß auf die Ergebnisse eingehen. Auf jeden Fall liefert uns dieses originalseits zusätzlich existierende Wissensgebiet ein weiteres Anwendungsgebiet, um mit dem noch ungewohnten »Paradigma der Kognitiven Optik« ausführlicher herumzuspielen – und den eigenen Kenntnisstand zu seiner Methodik nach Strich und Faden zu überprüfen. Im ‚Planungswesen’ steckt also eine ähnliche Herausforderung, die – genauso wie der damit eng verwandte »Kognitive Prozess« – nur noch sekundär mit den eingangs abgehandelten „Sichtbarkeiten der WELT“ zu tun hat.

[45] Ein weiteres Beispiel für das Konzept der »Denklinie« liefert die Abbildung 18: Dort stelle ich – als hochabstrakten kognitiven Fingerabdruck – zu diesem meinem eigenen Essay den Roten Faden seiner Kapitel 3 bis 5 vor. --- Im genau gleichen Diskursraum und der gleichen Struktur selbstähnlicher Kegel wären natürlich auch ganz andere Routen anlegbar – mit und ohne Streifung seines allerobersten Tops, mit und ohne Eingehen auf das eigentliche Unifizierungsziel des Unterfangens.

[46] Mit derselben Berechtigung ließen sich – ebenso sekundengenau –all die Positionen im Klassischen Raum aufzeichnen, wo genau man sich im eigenen Leben wann gerade befunden hat. Beide Filme sind als Ariadnefäden genau gleich lang und ließen sich damit für die Analyse des Geschehens zeitpunktgerecht „nebeneinander kleben“. Und doch „strickt“ jeder Mensch von Geburt bis zum Tode an seinem eigenen, ganz persönlichen Streifen – selbst dann, wenn er gerade mit anderen Leuten, „Mitreisenden“, am gleichen physischen bzw. kognitiven Ort beisammen ist: Physisch am Faden oder Film seiner Aufenthalte im dreidimensionalen ‚Bewegungsraum des Menschen als Körperwesen’; bewusstseinsmäßig am Faden oder Film seiner Aufenthalte im ‚Bewegungsraum des Menschen als Geistwesen’. --- Genau so gut könnte man auch mit fest in die Stirn eingebauter, an die Augenbewegungen gekoppelter Kamera für jeden Einzelnen die visuellen Wahrnehmungen seines ganz persönlichen Lebens aufzeichnen. Alle Augenzeugen der Geschichte mit eingeschlossen. Alles als Abfolge von – aus einen einzigen großen Ganzen, der WELT, gemäß der eigenen Perspektive heraus gestanzten – Strahlenkegeln, mitsamt den darin jeweils sichtbaren Inhalten. Und alles immer gerade so wenig oder so stark gezoomt, wie einem diese Dinge im Augenblick der Wahrnehmung gerade vor Augen schwebten. --- Natürlich ließe sich das gleiche Szenario auch für Hörerlebnisse und andere Sinne aufstellen.

[47] EEG´s  – in Makro-, Mikro- und selbst Einzelzellen-Aufzeichnung – sind damit verglichen nur Notbehelfe. Doch auch sie beobachten – ebenfalls von außen her! – genau dieses Weiterstricken am ‘Kognitiven Lebensfilm‘. Diese – im Vergleich zum Szenario als Theorie – echte Technik liefert uns schon gewisse Einblicke in die am »Kognitiven Prozess« aktiv beteiligten Komponenten des Gehirns und deren Ressourcen, in die wann und wie eingeschlagenen Routen durch den dort vorhandenen Raum und all die Geschehnisse und möglichen Fährnisse beim Navigieren.

[48]  Methodisch ließe sich dieses »Kognitive Archiv der Menschheit« unter allen nur möglichen Blickwinkeln, egal aus welcher der Unterdisziplinen und Fragen der »Kognik« diese auch stammen mögen, ordnen und auswerten. (Schon die obige „Individualität des Denkers“ und die “Chronologie des Geschehens in den Köpfen“ liefern erste Dimensionen zu seiner Aufspannung als Diskursraum – und damit für ein Ordnungsschema. Sondenmäßig ergänzt um Strukturen und Operatoren der »Kognitiven Optik« (Abstraktionskegel, Zoomebenen, Kegelflanken, Weltausschnitte, Wissensszenen, Kognitive Freiheitsgrade usw.) könnte die Trennschärfe – sowohl in der Breite wie in der Tiefe – über die Mächtigkeit jeden anderen Wissensträgertyps und Paradigmas hinaus erhöht werden.

[49] Die Optionen, doch noch ganz anders zu denken, als zuvor jemals jemand gedacht hat, sind von einem ganz anderen Typ der Wissbarkeit. Auf das entsprechende Tortenstück, die in der WELT prinzipiell vorhandenen „Möglichkeiten“ und „Unmöglichkeiten“, möchte ich an dieser Stelle nicht groß eingehen.

[50] Man denke daran, dass es selbst im Fluss des Bewusstseins so etwas wie den kürzesten Moment gibt, der noch als von den Nachbar-Momenten getrennter Eindruck wahrgenommen (oder per EEG abgegriffen) werden kann. Seine Dauer liegt im irgendwo im Bereich zwischen einer Zehntelsekunden und einer Sekunde. Der menschlichen Sprache etwa blieb also gar nicht anderes übrig, als die Dauer ihrer Morpheme an diese Größenordnung anzupassen; sie hat sie nicht etwa auf die Dauer von Millisekunden verkürzt, was ja auch denkbar und akustisch ohne Weiteres machbar ist. Der Fluss der Sprache – Wort für Wort, Satz für Satz – entspricht über gewisse Wechselwirkungen mit unserem kognitiven Strickmechanismus ebenfalls dem grundsätzlichen „Punkt & Linie-Charakter“ unseres Denkfortschritts. Der Denkapparat ist – “nur” – dazu in der Lage, seine Inhalte selbst zu erzeugen, sie zu ändern, zu interpretieren, zu ordnen und den Verlauf des Geschehens in ihm – in Grenzen – eigenständig zu steuern. Beim Computer dagegen würde der entsprechende Minimalbedarf an Zeit nach heutiger Technologie in den Bereich von Piko- und Nano-Sekunden fallen – (ebenfalls) mit eindeutiger “Totzeit zwischen den Zyklen”. Auch bei ihm ließe sich vom Hauptprozessor und seinen Zulieferern in jedem Augenblick ein derartiger Ausdruck des momentan zurecht-gestrickten Inhalts anfertigen – im selben Rhythmus von Standbildern.

[51] ‚Wirk-Mechanismen‘-Paar:  »Platsch-Verarbeitung«  versus:  ‚Bit‘-Verarbeitung  !

[52] Erste Andeutungen von diesem Gezerre um das Zentrum des Bewusstseins kann man mittlerweile von außen her abgreifen: per Elektro-Enzephalogramm usw. . In der Silizium-Version des Kognitiven Prozesses ist – aus ebenso souveräner Distanz heraus betrachtet – in jedem Augenblick auch nur ein winziger Auszug des abzuwickelnden Programms und der im Massenspeicher insgesamt vorhandenen Daten „als Weltausschnitt geladen“ und damit bereit für die Bearbeitung im „Guckloch aus Prozessoren und Verrechnungsregistern“. In dieser Version muss der Ablauf der Schritte sogar, vorab, für jeden Augenblick eindeutig gemacht werden – durch „richtige“ Programmierung. --- Mit einem Programmpaket andererseits (zur Text- oder Bildbearbeitung etwa) und den Werkzeugen seiner ‚Benutzeroberfläche’ lässt sich der weitere Verlauf der „Denklinie” von außen her steuern. Über Tastatur, Mauscursor, Menü & Co.  Genau das ist ja der Zweck solcher „Prothesen für das Denken und Gestalten“ (als künstliche „Kognitive Glieder“).

[53] Es gilt bei der Beobachtung des ‚Kognitiven Geschehens’ zwei unterschiedliche Bezugssysteme auseinander zu halten:
In dem einen beobachten wir das Fortstricken der Denkfäden als Routen im unifizierten Diskursraum – aus der sicheren und unbeteiligten Entfernung einer ‚Hohen Warte’ heraus. In dem anderen bewegen wir uns selbst mit der Front allen Wahrnehmens und Denkens im Raume mit. Schwierigkeiten, aber auch wissenschaftliche Déja-vu-Phänomene, wie sie beim Wechsel zwischen diesen so unterschiedlichen Inertialsystemen auftauchen, stammen nicht etwa aus irgendwelchen künstlichen Annahmen meinerseits. Schuld daran sind innere Merkmale des »Kognitiven Prozesses« selbst: Die zwangsläufige „Relativität“ aller Weltausschnitte.

[54] Die Stelle innerhalb der »LÖSUNG des Puzzles WELT«, wo – egal ob bei Mensch, Tier, Roboter oder Gespenst – der „Freie Wille“ samt all den uralten Streitfragen dazu hingehört, ist genau diese Front (als Bohrkopfgeschehen). ...

[55] Zu weiteren Invarianzen an dieser Stelle vergleiche man die Schlagwörter in Abbildung 16!

[56]  Genau das ist die Stelle, wo zumindest in der Silizium-Version des Kognitiven Prozesses der »Abstraktionskegel der Methodik«  und das spezifische Konzept der “Flussdiagramme” ins Spiel kommen. Genau hier befinden sich aber auch die Abzweigungen zu allem: zwanghaften Denken, intuitiven Vorgehen, Heuristischen, (Un-)Vernünftigen, Logischen, Systematisierten und Mathematisierten. Hier zweigt es in der »LÖSUNG des Puzzles WELT« zur Anwendung ganz bestimmter Algorithmen, Strategien und Taktiken, Formalismen, Darstellungsformen ab. All das klinkt sich an genau dieser Stelle als potentieller Einfluss in das Geschehen ein. Als im Gesamtpuzzle relativ eigenständiges Tortenstück an Wissbarkeiten dagegen gehört alles Methodische (mitsamt allem Spezialwissen um die jeweiligen ‚Geltungsbereiche’ und die spezifischen Wirksamkeiten) schon weiter oben mit zur Schicht 1.

[57] Das Kurzzeitgedächtnis etwa fasst maximal 7 bis 10 einzelne „Chunks“ an aktiviertem Wissen gleichzeitig – aufgeteilt auf ca. 200 Bit, wie man „gemessen“ hat: Separate Brocken an Top-Information, die – wenn sie nicht wie bei Computer-Registern eigens aufgefrischt werden – nur ca. 25 Sekunden lang für die Nutzung oder weitere Verarbeitung parat stehen. Entweder hat die Evolution diese Anzahl als ein dem Kognitiven Prozess und den daran systemisch beteiligten Elementen gemäßes biologisches Optimum festgestellt oder sie schaffte, selbst bei uns, der „Krone ihrer Schöpfung“, bisher noch nichts Besseres. Natürlich sind unser „Hauptprozessor“ im Kopf und all die „Basis-Routinen“ leistungsmäßig längst an diesen Flaschenhals angepasst (oder umgekehrt das Kurzzeitgedächtnis an dasjenige, was das ‚Guckloch‘ technisch gerade noch verkraftet). --- Jenseits davon beginnen das „Phänomen Stress“.

[58] Natürlich ist die Sammlung der ‘Kognitiven Lebensfilme aller Menschen und Zeiten‘, sogar noch im Auflösungsgrad von Bit- oder Stimulationsmustern  betrachtet, ein extrem theoretische Vorstellung. Doch das Konzept ist ebenso realistisch, wie es  die Vorstellung einer ‚Sammlung jedweden Fleckchens auf der Erdoberfläche wäre, die jemals eines Menschen Fuß betreten hat‘, wenn diese speziell im Auflösungsgrad von Molekülen und Atomen betrachtet würden. Trotz aller sonstigen Einwände gibt es kein Gesetz, das das eine oder das andere dieser Konzepte als – operationale – Wissensbasis grundsätzlich ausschließen würde. Beide bilden nur einen anderen Typ von Wissbarkeiten ab.

[59] Wie schon im Falle des ZehnHoch-Szenarios – und überall sonst in ‚Abstraktionskegeln‘ – könnte man die Zoomfahrt hier in diesem Kegel auch ganz anders anlegen; man kann beim ‚Herumreisen’ ganz woanders starten und – stützstellenmäßig – unterwegs bei ganz anderen Wissbarkeiten verharren. Mit für diese ebenfalls angebbarer Position im ‚all-unifizierenden Raum‘!

[60] N. B.: Im „Zoomfahrt“-Szenario des ‚Reisens durch die Materielle Welt‘ werden die beiden ‚Paletten an Freiheitsgraden‘ ausschließlich für die Änderungen an der ‚Position des Beobachter‘ genutzt. Nicht jedoch für ihn der Rolle eines ‚aktiv Handelnden‘! ...
– [\‚Abbildbarkeit‘ – als solche; \„Perspektive“ + Perspektivwechsel; \zur „Kosmologie“; \„Änderung“ – als solche; \»Ein­griffe in die WELT« – als solche; \Kognitiver Prozesstyp: „Macher“; \Die ‚Palette der Freiheitsgrade‘ der Bewegung + des Handelns in der materiellen Welt; \Die ‚Palette der Freiheitsgrade‘ der Bewegung + des Handelns in der kognitiven Welt; \...]

[61] Wer – jetzt schon – die Frage nach dem „Nutzen“ solcher Bemühungen bzw. dem Wert so eines »Kognitiven Universal-Atlasses« stellen möchte, sollte sich – analog dazu – erst einmal nach dem Nutzen klassischer ‚Planzeichnungen’, ‚Karten’, ‚Atlanten’ und ‚Enzyklopädien’ fragen. Und warum man persönlich bzw. staatlicherseits einen derartigen Aufwand für Ausbildung in „Mathematik“ betreibt.